Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Adorno heute: Netflix, Sex & Dialektik der Aufklärung

Die “Dialektik der Aufklärung” war eines der zentralen Bücher meines Studiums. Ich habe gerade die Fischer-Taschenbuchausgabe vom Juli 1982 noch einmal in die Hand genommen, um mich zu vergewissern, dass ich das Werk auch ganz gelesen habe. Und, ja, es gibt bis zur letzten Seite Unterstreichungen und Anmerkungen, aber die Lektüre, soweit erinnere ich mich noch, war “Arbeit”.

Jetzt hat Gert Scobel dem Buch ein ganzes Video gewidmet und es in sieben Kapiteln zusammengefasst. 33 Minuten braucht er dafür. Er beginnt mit dem Hinweis auf ein Revival der Kritischen Theorie (von dem ich gar nichts mitbekommen habe). Und er endet mit den aktuellen Erscheinungsformen der Kulturindustrie, dem Überwachungskapitalismus, Netflix und Filterblasen. Ich lasse das Buch jedenfalls mal auf dem Schreibtisch liegen …

“Ein Begriff ist für die intensive Wirkung der Dialektik der Aufklärung von besonderer Bedeutung: der Begriff der Kulturindustrie. Gemeint ist eine industriell gesteuerte Form der Kultur, in der sich zeigt, dass Aufklärung und Rationalisierung letztlich nichts anderes sind als ein gigantischer Massenbetrug.”
Scobel, YouTube, 18. März 2021 

2 Responses to “Adorno heute: Netflix, Sex & Dialektik der Aufklärung”

  1. Ralph Müller

    Hallo Jochen, na von einem Revival zu sprechen ist vielleicht noch etwas zu hoch gegriffen bzw. wäre im Sinne der Kritischen Theorie unter den heutigen Bedingungen allgegenwärtiger Verwertung und Datafizierung als Schlagwort auch höchst kritisch zu sehen. Es gibt jedoch schon seit geraumer Zeit interessante Beiträge, die ausloten welche Konzepte der Kritischen Theorie heute noch anwendbar sind bzw. zu einem fruchtbaren Diskurs führen könnten. Zu ergooglen lohnen sich zum Beispiel Thomas Damberges Artikel zur Halbmedienkompetenz – Überlegungen zur kritischen Dimension von Medienkompetenz (2013), Daniel Houbens Beitrag zur Instrumentellen Vernunft in der Datengesellschaft (2018) oder Tatjana Freytags Dissertationsschrift, Der unternommene Mensch (2008) mit einer neuen Betrachtung von Herbert Macuses Eindimensionalen Menschen. Zum dem Buch auf dem Schreibtisch könnten sich also auch noch andere gesellen, die die Gedanken und Sprache der alten kritischen Denker in zeitgemäßere Bezüge setzen. Viel Spaß beim Lesen
    Ralph

    Antworten
  2. Jochen Robes

    Lieber Ralph, herzlichen Dank für Deine interessanten Ergänzungen! Mein Schreibtisch hält noch einiges aus. Aber irgendwann muss ich den Stapel ja mal abarbeiten … Viele Grüße, Jochen

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.