Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Lernkultur in Unternehmen – wie man sie messen und gestalten kann

Über diesen Artikel bin ich heute eher zufällig gestolpert. Er spricht einen wichtigen Punkt an: Kann man die Lernkultur eines Unternehmens messen? Hier verweisen die AutorInnen auf einen 2003 entwickelten Fragebogen „Dimensions of the Learning Organization Questionnaire“ (DLOQ). Er umfasst sieben Dimensionen:

– Kontinuierliches Lernen
– Nachfragen und Austausch
– Zusammenarbeit und Lernen im Team
– Erfassen und Sichtbarmachen des Lernens
– Befähigung der Beschäftigten
– Lernförderliche Führung
– Vernetzung des Unternehmens

Insgesamt beinhaltet der Fragebogen 21 Aussagen (drei je Dimension). Im Artikel wird ein Einsatz des Fragebogens vorgestellt und die dabei erzielten Ergebnisse interpretiert. Die aufgeführten Dimensionen decken auf den ersten Blick wichtige Stellhebel des Lernens in Unternehmen ab. Die erzielten Ergebnisse klingen auch im Branchenvergleich nachvollziehbar und plausibel, obwohl die Fallzahl (N = 205) nicht groß war.

Andererseits lassen die Dimensionen viel Spiel bei der Ausgestaltung vor Ort und ihrer Wahrnehmung durch die Befragten. „Lernen“ und „Lernkultur“ sind halt sehr dynamische Spielfelder. Wenn der DLOQ jedoch weniger dazu dient, valide Branchenvergleiche vornehmen zu wollen, und mehr dazu, einen Ausgangspunkt für Veränderungsprozesse im einzelnen Unternehmen zu gewinnen, kann man mit Unschärfen gut leben.

Ich werde mal versuchen, einen Blick auf den gesamten Fragenbogen zu werfen und weitere Einsatzberichte zu finden. Noch ist etwas Platz auf meiner Aufgabenliste …
Timo Kortsch, Hilko Frederik Klaas Paulsen und Simone Kauffeld, Wirtschaftspsychologie aktuell, 2/ 2019 (via ResearchGate)

Bildquelle: Wirtschaftspsychologie aktuell

3 Responses to “Lernkultur in Unternehmen – wie man sie messen und gestalten kann”

  1. Timo Kortsch

    Hallo Herr Robes,
    es freut uns, dass Sie unseren Artikel hier vorstellen! Dazu noch ein paar Gedanken. Instrumente der DLOQ können Unternehmen helfen, das abstrakte Konstrukt Lernkultur zu quantifizieren und damit fassbar zu machen. Besonders aufschlussreich wird es, wenn man Vergleiche vornimmt, denn erst dadurch bekommen die Werte je Dimension eine inhaltliche Bedeutung: Der Wert 3,7 in Abteilung A auf der Dimension „Zusammenarbeit und Lernen im Team“ sagt deutlich mehr aus, wenn ich weiß, dass Abteilung B auf der Dimension eine 2,3 hat, als wenn man nur den Wert 3,7 hat. Denn nun kann man auf die Suche gehen, was denn nun diesen Unterschied ausmacht. Beispielsweise, indem man Interviews in den Abteilungen A und B durchführt. Dabei sollte man sich die Zusammensetzung der Befragten aus Abteilungen A und B auch nochmal anschauen. Denn wir haben in einer anderen Studie zum DLOQ gefunden, dass Führungskräfte die Lernkultur überschätzen (siehe Kortsch & Kauffeld, 2019).
    Ein Instrument wie der DLOQ hilft also im ersten Schritt die Lernkultur zu quantifizieren, danach sollten qualitative Analysen und Maßnahmen zur Organisationsentwicklung kommen.

    Viele Grüße
    Timo Kortsch

    Literatur:
    Kortsch, T. & Kauffeld, S. (2019). Validation of a German Version of the Dimensions of the Learning Organization Questionnaire (DLOQ) in German Craft Companies. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie A&O, 63(1), 15-31. doi: 10.1026/0932-4089/a000282

    Antworten
  2. Jochen Robes

    Danke für die Ergänzungen, Herr Kortsch! Ich werde mich in den nächsten Wochen etwas näher mit dem DLOQ beschäftigen (so der Plan …). Bei Fragen komme ich sehr gerne auf Sie zurück.

    Viele Grüße
    Jochen Robes

    Antworten

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