Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Mein Wochenausklang: Nachrichten von Eisner

Seit einigen Tagen bekomme ich Nachrichten von Kurt Eisner. Auf WhatsApp meldet er sich täglich mit einem oder mehreren kurzen Updates über das, was ihm unterwegs, in München und auf seinen Reisen, passiert. Vielleicht denken Sie gerade: „Kurt Eisner, Kurt Eisner, den Namen habe ich doch schon mal gehört …“. Genau! Es handelt sich um jenen Kurt Eisner, den Anführer der Novemberrevolution von 1918 in München und ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, also eine historische Figur. Und damit bin ich auch schon mittendrin im Messenger-Projekt des Bayerischen Rundfunks „Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern“.

Kurz die wichtigsten Eckdaten dieses spannenden Projekts: Am 14. Oktober 1918 wurde Kurt Eisner aus dem Gefängnis entlassen, in dem er seit dem 31. Januar 1918 wegen „versuchten Landesverrates“ saß. Am 21. Februar 1919 wird Kurt Eisner ermordet. Am 14. Oktober 2018, genau 100 Jahre später, begann das Projekt „Ich, Eisner! 100 Jahre Revolution in Bayern“ von Bayern 2. Seitdem schickt Kurt Eisner Nachrichten und wird es bis zu seiner Ermordung im Februar weiter tun. Es sind fiktive Nachrichten, für die sich die Redaktion aus historischen Quellen bedient. Und so hat mich Kurt Eisner begrüßt: „Danke, dass Du Dich für meine WhatsApp-Nachrichten angemeldet hast. Hier erzähle ich Dir meine Geschichte – in Echtzeit. Das heißt: Ab jetzt schicke ich regelmäßig Nachrichten, Audios und Videos.“

Hier eine Nachricht, die ich diesen am Freitag bekommen habe: „Felix Fechenbach und ich haben den Nachtzug nach Berlin genommen und sind soeben angekommen. Viel geschlafen haben wir nicht, die Aufregung und der Lärm waren schlicht zu groß. In zwei Tagen steht die Konferenz der Ministerpräsidenten an. Heute noch werden wir die Akten zum Kriegsausbruch weitergeben. Dazu haben wir eine Verabredung mit Theodor Wolff, Verleger des Berliner Tagblatts.“

Zwischen die Nachrichten schmuggelt die Redaktion immer wieder mal Links auf weitere Hintergrundmaterialien und Medien. Einzelne Nachrichten schlagen humorvolle Brücken in die Gegenwart, zum Beispiel wenn Kurt Eisner, nachdem er einer Zeitungsredaktion brisante diplomatische Schriftstücke zugespielt hat, schreibt: „Heute würdet ihr mich deswegen vielleicht einen „Whistleblower“ nennen – und die Dokumente „Eisner Leaks“.“

Die Redaktion nennt „Ich, Eisner!“ ein Storytelling-Projekt. Es ist eine „Mischung aus automatisiertem Newsletter-Versand, Chatbot und WhatsApp-Kanal in die Redaktion“, heißt es. Man kann zwischen verschiedenen Messenger-Diensten wählen. Und auch Kurt Eisner bzw. der Redaktion schreiben (aber ich habe keine Informationen darüber gefunden, ob und wie das in der Praxis gelebt wird). Aber es gibt natürlich auf den Seiten von Bayern 2 einige Informationen über das Projekt, und da mögen sicher noch weitere Antworten stecken.

Ich habe ja letzte Woche einen Bogen von E-Learning zu den Digitorials des Städel-Museums gespannt. An diesen Bogen habe ich auch hier gedacht. Natürlich hätte Bayern 2 „Ich, Eisner!“ auch als Hörstück bzw. in einem bewährten Funk- oder TV-Format aufbereiten können. Aber man hat vielleicht über alte und neue Zielgruppen und die Möglichkeiten des Netzes nachgedacht. Und Lust auf ein Experiment gehabt. Um schließlich bei einem Messenger-Projekt zu landen. Toll!

Bildquelle: Unbekannt (Wikipedia)

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