Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Mein Wochenausklang: Fallgruben wissenschaftlichen Arbeitens

Im Moment verbringe ich wieder etwas Zeit mit der Lektüre akademischer Arbeiten, von Hausarbeiten, Exposés, bis zur einen oder anderen Master-Thesis. Das gehört irgendwie zum Paket, das man unterschreibt, wenn man einen Lehrauftrag annimmt. Natürlich haben die Arbeiten in meinem Fall alle etwas mit digitaler Bildung zu tun. Doch der Begriff ist in der Hochschullehre noch nicht so richtig angekommen, denn Konjunktur haben gerade Themen wie Mobile Learning oder Microlearning.

Nun sind diese Aufgaben für die Studierenden natürlich auch wichtige Fingerübungen im akademischen Arbeiten. Das ist mit Fragen, Irrtümern und Missverständnissen verbunden, und dafür gibt es ja die Hilfestellungen und Rückmeldungen der Betreuer. Und ich möchte an dieser Stelle, ganz frisch, die drei Probleme nennen, mit denen die meisten Studierenden zu kämpfen haben. Wobei ich jetzt mal Formalia und Formulierungsfragen außen vor lasse.

Punkt 1: Systematisches und Begriffliches
Die erste Herausforderung besteht oft darin, das Feld der digitalen Bildung zu sortieren und zu systematisieren. Sind E-Learning, Mobile Learning und Microlearning, um mal bei diesen Begriffen zu bleiben, Phänomene, die nebeneinanderstehen und die man einfach – von 1.1. bis 1.3. – nacheinander beschreiben kann? Oder ist E-Learning nicht der Begriff, der die übrigen bereits einschließt? Und ist nicht Microlearning meist auch Mobile Learning? Ich könnte hier noch eine Weile fortfahren. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Begriffe (oder Kategorien) nicht entstanden sind, um die Welt besser zu verstehen, sondern um Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Punkt 2: Theorie und Didaktik
Zu (fast) jeder Arbeit, die sich mit digitaler Bildung beschäftigt, gehört heute leider ein Abschnitt über Lerntheorien (keine Angst, ich werde sie jetzt nicht aufzählen!). Aber obwohl hier schon fast alles gesagt wurde, kann es zuweilen in den Arbeiten sehr bunt werden. Zum einen stehen diese Theorien in den Schilderungen oft nebeneinander, als ob Pädagogen hingehen und je nach Thema und Tageszeit die eine oder andere Theorie aus dem Regal nehmen. Häufig werden diese Theorien auch zu handelnden Subjekten, die alles Mögliche unternehmen, unterstützen, beweisen, unterstellen, behaupten usw. Und dann natürlich die Unterscheidung zwischen Theorie und Didaktik, die häufig in der Beweiskette einfach mal übersprungen wird.

Punkt 3: Gegenwart oder Zukunft
Sind Mobile Learning oder Microlearning eigentlich schon Alltag in den Unternehmen, Hochschulen oder Akademien? Oder sind es laufende Verfahren, bei denen im Einzelfall geschaut werden muss, wo die Beteiligten gerade stehen? Ich muss zugeben, dass es oft schwer ist, sich hier von Außen ein Bild zu machen und zu beurteilen, wie es um die Umsetzung einer Lernform in der Praxis steht. Wenn ich allerdings merke, dass mir selbst Erfahrungen und Empirisches aus Studien fehlen, dann formuliere ich vorsichtig und abwägend. Könnte man erwarten, passiert aber selten.

Das für den Moment. Gibt es weitere Fallgruben beim Verfassen (und Lesen) akademischer Arbeiten? Vielleicht kommen ja am Wochenende noch Punkte dazu. An die Arbeit.

Bildquelle: Sebas Ribas (Unsplash)

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS