Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Mein Wochenausklang: Blended Learning 4.0

Zwischen den Jahren kreuzte ein Artikel in der „Automobilwoche“ meinen Weg. Die Schlagzeile lautete „Kooperation mit Udacity: Audi macht Mitarbeiter fit für künstliche Intelligenz“. Das machte mich neugierig. Udacity war ja einer der ersten MOOC-Anbieter, bevor sich ihr Gründer Sebastian Thrun entschied, ganz auf die berufliche Weiterbildung und die Kooperation mit Unternehmen zu setzen. Und Audi war ja eines der gastgebenden Unternehmen im CL2025 MOOCathon letzten Sommer.

Im Artikel war dann zu lesen, dass Audi kürzlich eine Weiterbildungskampagne gestartet hat, um die eigenen Mitarbeiter*innen auf den strategischen Feldern Big Data und Künstliche Intelligenz fit zu machen. Und diese Kampagne mit Namen „data.camp“ setzt auf eine interessante Kombination von Online-Kursen eines externen Anbieters, eigenen Präsenzveranstaltungen und Tutoren aus den Audi-Fachbereichen.

Ich finde, dass hier ein neuer Weg beschritten wird. Er reicht zum einen über einfache Blended Learning-Konzepte hinaus, indem hier offensichtlich nicht nur ein Online-Modul einem bestehenden Präsenzformat vor- oder nachgeschaltet wird. Zum anderen wird hier richtig Zeit investiert. Die Rede ist von zehn Wochenstunden, für die die Teilnehmenden über die Laufzeit des Kurses freigestellt werden. Mit der Verbindung von Online und Präsenz und der Begleitung durch Tutoren will man sicherstellen, dass die Teilnehmenden am Ball bleiben und der fachliche Bezug zur Audi-Welt nicht verlorengeht.

Nun handelt es sich bei dem vorgestellten Programm offensichtlich um eine vom Unternehmen bzw. der Audi-Akademie gestartete Initiative. Aber wenn man erst einmal Online-Kurse wie die von Udacity auf dem Radar hat, könnte es ja weitergehen. Mitarbeiter*innen werden selbst initiativ und melden ihren Wunsch an, solche Kurse zu bearbeiten. Wer dann die Zustimmung des Vorgesetzten oder der Akademie hat, sucht auf der internen Bildungsbörse nach Gleichgesinnten, vor Ort oder an anderen Standorten. Die Lernerfahrungen mit den Kursanbietern oder Fragen zum Thema können ausgetauscht werden. Die erworbenen Nanodegrees werden im Profil der Mitarbeiter*innen festgehalten.

Ich vermute einfach mal, dass auf diesem Feld des selbstorganisierten Lernens schon einiges in dieser Richtung passiert. Aber von Unternehmen, die solche Aktivitäten offen unterstützen, hört man noch wenig. Aber Projekte wie das von Audi bereiten vielleicht den Weg.

Bildquelle: Andreas Fingas (Wikimedia, CC BY-SA 3.0 de)

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