Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Notions of Disruption – Explorative Studie des SWIR mit einem Kapitel zu „Digitale Kompetenzen“

Digitale Kompetenzen, ihre Bestimmung und ihre Entwicklung, werden dieses Jahr weiter in den Vordergrund rücken. Die mediale Präsenz von Künstlicher Intelligenz, Algorithmen und Automatisierung verschärft den Handlungsdruck. Die Studie von Sabine Seufert, herausgegeben vom Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrat (SWIR), passt hier genau, denn sie liefert eine Reihe von Perspektiven, Modellen und Empfehlungen, auf die ich hier nur auszugsweise hinweisen kann.

Die Perspektive: Nicht der Ersatz oder das Verschwinden menschlicher Arbeit sollte die Diskussion um die Auswirkungen der Digitalisierung und Automatisierung leiten, sondern die Erweiterung menschlicher Fähigkeiten durch Maschinen, „human augmentation“.

Die Modelle: Das „digital competency framework“, das Sabine Seufert vorstellt, besteht aus drei Komponenten: Digital Literacy („basic understanding of technology“) und Digital Citizenship („socio-economic impact of technology“) bilden die Grundlage für „Personality Development in a Digital Society“ („new human-machine interaction: complementary competences“).

Dabei weist sie immer wieder darauf hin, dass digitale Kompetenzen sich nicht in kognitiven Skills oder dem richtigen Umgang mit bestimmten Tools und Systemen erschöpfen. Es geht immer auch um Kompetenzen in einer digitalisierten Welt! Sie spielt das Modell auch auf der curricularen Ebene durch („spiral curriculum“), liefert dabei aber eher bildungspolitische Vorlagen und weniger konkrete Handlungsanleitungen für einzelne Organisationen und Zielgruppen. Da bleibt also noch genug Arbeit „vor Ort“!

Sechs Empfehlungen schließen ihre Ausführungen. Sie werden in einer einleitenden Summary wie folgt zusammengefasst:
„1. Das Bewusstsein für ergänzende Kompetenzen stärken; 2. Einen nationalen Rahmenlehrplan für digitale Kompetenz entwickeln; 3. Formative Beurteilungen, integrierte Beurteilungssysteme und «Graduation Portfolio»- Systeme einführen; 4. Do-it-yourself-Lernen in Bildungsinstitutionen ermöglichen; 5. Durch die Entwicklung von digitaler Kompetenz bei den Lehrpersonen Kapazitäten aufbauen; 6. Forschung zu digitaler Kompetenz vertiefen, um die Kluft zur «Gesellschaft in der Schleife» zu schliessen.“
Sabine Seufert, in: Notions of disruption. A collection of exploratory studies written and commissioned by the Swiss Science and Innovation Council SSIC, 3/2017 (via scil Blog)

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