Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Mein Wochenausklang: Qualität und Lernerfolg

„Wie muss gutes Online-Lernen heute eigentlich aussehen? Also, ein Kurs, der nicht einmal Audio hat, der geht doch gar nicht, oder?“ Diese Frage nach gutem, richtigem, erfolgversprechendem Online-Lernen stand letzte Woche auf einem Seminar im Raum, nicht zum ersten Mal. Um sie geht es auch, wenn man gebeten wird, sich mal kurz einen neuen Kurs anzuschauen und Feedback zu geben. Dabei geht es meist um die Qualität eines Lernangebots, aber natürlich auch um den Lernerfolg, den man sich dadurch verspricht.

Beginnen wir mit der Qualität. Hier sind wir eigentlich ganz gut. Wir haben Prozesse, Standards, Spezifikationen und Styleguides, flankiert von einem bewährten Projektmanagement. Ich sage nur DIN PAS 1032-1/2 …  Wir haben auch Zertifikate, Labels und Awards, obwohl hier die Begeisterung beim Thema Online-Lernen in den letzten Jahren spürbar nachgelassen hat.

Aber schneiden Lernende jetzt bei einem Online-Kurs mit Audio besser ab als bei einem Kurs ohne Audio? Vielleicht, so könnte man meinen, finden sie den Kurs mit Audio attraktiver und sind motivierter? Was dann natürlich gleich auch für Bewegtbilder, also Video, sprechen würde. Wobei mir da die Begegnung mit dem Projektleiter einer Unternehmensberatung einfällt, mit dem ich, es ist einige Jahre her, einmal über Drehbuch und Design eines Kurses diskutiert habe. Irgendwann kürzte mein Gegenüber die Unterhaltung mit dem Hinweis ab: „Wissen Sie, wenn unsere Mitarbeiter von der Hochschule kommen und bei uns anfangen, die sind so motiviert, den könnten wir auch ein PDF geben und bekämen Bestnoten.“ Motivation ist also sicher ein gutes Stichwort, wenn es um erfolgreiche Lernprozesse geht.

Natürlich gibt es auch Studien, die die Didaktik unterschiedlicher Kurse empirisch untersuchen und vergleichen. Gerade die Frage, ob das Lernen mit E-Learning genauso funktioniert wie das Lernen im Seminar, hat ja viele Jahre die Expertenrunden wachgehalten (Stichwort: „The No Significant Difference Phenomenon“). Wobei ich mich da immer frage, was eigentlich gemessen wird. Ist Lernen das korrekte Wiedergeben einiger Vokabeln am nächsten Morgen? Denn spätere Resultate fallen ja in der Regel aus dem Untersuchungsdesign, weil es für sie auch ganz andere Ursachen geben könnte.

Vielleicht kommt da das aktuelle Themenspecial von e-teaching.org zum richtigen Zeitpunkt. Die Überschrift lautet „Was macht Lernen mit digitalen Medien erfolgreich?“

Bildquelle: SurfGuard (Flickr, CC BY-NC-SA 2.0)

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