Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Modell Autodidakt

Der Begriff des Autodidakten vereint ja irgendwie Rückbesinnung und Aufbruch. Rückbesinnung, weil er daran erinnert, dass es selbstorganisiertes Lernen schon lange vor dem Web gab; und Aufbruch, weil der Autodidakt heute natürlich neben dem Edupunk, der DIY University und dem Bildungs-Hacker steht. In dem 144-Seiten starken Büchlein, genau richtig für eine (lange) Zugfahrt, geht es um diesen Autodidakten oder genauer, um das „Modell Autodidakt“: „… das Modell einer selbstbestimmten, selbstgemachten und in Eigenregie verwirklichten Bildung“ (S.10), um „Bildung jenseits der klassischen Institutionen“ (S.11).

Die Texte in „Modell Autodidakt“ sind entstanden, als die Berliner Gazette 2010 einen Jahresschwerpunkt „Bildung“ durchführte. Es sind biografische Texte, in denen die Autorinnen und Autoren ihre Erfahrungen mit Schule und Universität, mit Lehrern und Professoren sowie ihren persönlichen Lernwegen schildern. Dazu gehören auch, immer wieder eingestreut, Zweifel, Umwege der Selbstlerner und Fragen wie die, ob der Autodidakt nicht auch für die fortschreitende Privatisierung der Bildung steht. Aber die Texte enthalten auch „schöne“ Sätze wie z.B.: „Insofern kommt der Schüler erst als Autodidakt zu sich selbst, befreit sich vom Objekt zum Subjekt.“ (S. 28, Thomas Krüger). Oder die pfiffige Frage: „Wie organisiert man Selbstorganisation?“ (S. 54, Udo Lindner). Viele der Texte beginnen sinngemäß wie dieser von Peter Glaser: „Als ich mit der Computerei angefangen habe, also Ende der 1970er-, Anfang der 1980er Jahre …“ (S. 25) und machen die Sammlung, bewusst oder zufällig, zu einem sympathischen Gegenentwurf zu den Tagesprotokollen der „net generation“.

Was gibt es sonst noch zu sagen? Zum „Modell Autodidakt“ gehört auch ein Text von Wolfgang Neuhaus, der das Thema „Online-Lernen“ aufnimmt und auf den ich an anderer Stelle bereits hingewiesen habe („Tschüss E-Learning, Hallo Community-Education“). Und auch, was unseren laufenden OpenCourse betrifft, ist der Band „anschlussfähig“. Ich erinnere nur kurz an Dörte Giebels Podcast „Bildungsvision? Früher nannte man es Autodidaktik“.
Magdalena Taube und Krystian Woznicki (Hrsg.), Berlin: Panama Verlag 2011

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