Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

LMS versus PLE

Wie irgendwo schon gesagt, den letzten Freitag habe ich auf der CeBIT verbracht, als Moderator einer Session im „Forum Learning & Knowledge Solutions“. Wie gesagt Freitag und, erschwerend, 16:40 Uhr, es war also eine sehr private Session. Weitgehend ungestört konnten wir uns auf dem Podium ganz der Vorgabe der Organisatoren, „LMS vs. PLE“, widmen. Die Diskussion hat mir noch einmal klar gemacht: Für einen Anbieter von Lernplattformen in Corporate Learning ist dieses PLE, also die „Persönliche Lernumgebung“, eine relativ uninteressante Angelegenheit. Als LMS-Anbieter stellt man sich (natürlich) auf die Anforderungen seiner Kunden ein und hier stehen nun mal administrative und weniger didaktische Anforderungen im Vordergrund. Man nimmt natürlich auch die Bedürfnisse einzelner Zielgruppen auf (wenn diese es in ein Pflichtenheft schaffen), und man erweitert gerne eine Lernplattform um Möglichkeiten der „Personalisierung“, also z.B. der individuellen Gestaltung einzelner Seiten oder der Wahl eines bestimmten Ausgabeformats.

All das ist natürlich weit entfernt von der Idee einer PLE und von der Diskussion „LMS vs. PLE“, die zudem auch deshalb schwer greifbar ist, weil hier ein Produkt (LMS) einer Idee (PLE) gegenübergestellt wird, die sich bei jedem Lerner auf andere Art und Weise manifestiert (wobei nur die wenigsten Lerner das Thema PLE reflektieren und somit eine PLE bewusst gestalten werden). Was in der Hochschullehre aber noch eine Option sein mag, nämlich Lernszenarien auch ohne die oder neben den bereitgestellten Lernplattformen zu entwickeln und umzusetzen, ist im traditionellen Unternehmensumfeld nur bedingt möglich.

Wie gesagt, unter solchen Voraussetzungen ist die Vorgabe „LMS versus PLE“ eigentlich Unsinn. Trotzdem erfreut sich das Thema gerade großer Beliebtheit. So hat sich z.B. auch Mohamed Amine Chatti an der Gegenüberstellung einer organisationalen und einer individuellen Perspektive („LMS vs. PLE“) versucht. Vielversprechender ist da schon der Artikel von Jonathan Mott, der – allerdings mit klarem Blick auf die Hochschulen – festhält, dass beide Ansätze Vor- und Nachteile haben und ein „Open Learning Network“ vorschlägt, um beide Seiten zusammenzubringen („Envisioning the Post-LMS Era: The Open Learning Network“).
CeBIT „Forum Learning & Knowledge Solutions“, 5. März 2010

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