Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Von der Effizienz zur Effektivität. Im Gespräch mit Joachim Hasebrook

Joachim Hasebrook, seit diesem Jahr in der wissenschaftlichen Leitung der LEARNTEC und mit langjährigen e-Learning-Erfahrungen ausgestattet, bekommt hier von Peter Brandt einige interessante Bälle zugespielt. Einmal findet er Gelegenheit daran zu erinnern, dass – mit Blick auf erwünschte Leistungssteigerungen der Mitarbeiter – Weiterbildung natürlich mit anderen Maßnahmen und Instrumenten „konkurriert“. Zum Beispiel mit der Änderung von Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten und Arbeitsabläufen. Und abschließend nimmt er sich Raum für ein schönes Praxisbeispiel, um zu skizzieren, wie effektive Bildung aussehen könnte:

„Weiterbildung ist dann effektiv, wenn sie in Änderungsprozessen wirksam eingesetzt wird – etwa bei der Einführung neuer Systeme – und wenn sie andere organisatorische Maßnahmen von der Mitarbeitergewinnung bis zur Mitarbeiterbindung unterstützt. Es geht darum, Weiterbildung mit hoher Passung zu den Unternehmenszielen zu konzipieren. Das können harte, aber durchaus auch weiche Ziele sein. Das wird dann etwas hochtrabend »strategisches Trainingsmanagement« genannt.

Ich will Ihnen ein Beispiel nennen: Bei einer großen Fondsgesellschaft wurde für rund 5.000 Vertriebler ihre Arbeit komplett umgestaltet, sie sollten nicht direkt mit den Kunden reden, sondern anderen Vertrieblern als Experten dienen. Sie in Seminare zu rufen, war aus mehreren Gründen unsinnig: Erstens kostete es zu viel und zweitens stünde währenddessen der Betrieb still. Auch eine gestaffelte Schulungsteilnahme erwies sich als zu teuer. Schließlich hat man Coachings vor Ort durchgeführt mit kleinen Gruppen und den Kern des nötigen Wissens per E-Learning vermittelt. Die Inhalte stammten dabei aus dem Vertrieb selbst und wurden in einer Art »Hitliste« von den Mitarbeitern selbst ausgewählt. Das ganze war so gestaffelt, dass alle Einheiten ihren Normalbetrieb fortsetzen konnten. Das Unternehmen hat begleitend Gruppen gebildet, in denen Kollegen voneinander lernten. Drittens hat man im Rahmen eines »Transfer Controlling« den Effekt untersucht, den die Teilnahme an dem Programm gegenüber der Nicht-Teilnahme hatte. Das war eines der erfolgreichsten E-Learning-Programme überhaupt in Deutschland, effektiv und effizient.“
Peter Brandt, DIE – Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 1/2008

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