Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Präsentation zum GfWM-Wissensmanagement-Modell Version 1.0

Seit mehreren Monaten ist ein Fachteam der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM) dabei, das GfWM-Wissensmanagement-Modell zu entwickeln. Jetzt liegt die Version 1.0 vor. Eine kurze Slideshow verdeutlicht, in welchem Kontext das Modell zu sehen ist: es soll kompatibel mit einer Reihe bestehender Modelle sein, von ISO 9000:2000 bis zur Wissensbilanz made in Germany.

Ich bin nicht ganz glücklich mit diesem Modell, weil es sehr statisch und geschlossen wirkt, das heißt: vor allem auf die organisationsinternen Entwicklungsprozesse fokussiert. Umwelt, Lieferanten und Kunden bilden die Rahmenbedingungen bzw. stehen am Anfang und Ende der Produktentwicklung. Ich denke, dieses Bild kann die Prozesse der Wissensökonomie nicht adäquat abbilden. Ob Web 2.0 oder Open Innovation, die Lernende Organisation befindet sich in einer permanenten Interaktion mit Kunden, Partnern und Experten, ist Teil verschiedener Netzwerke und Communities, und der hier stattfindende Austausch ist fester Bestandteil ihrer Entwicklungsprozesse.

Das GfWM-Wissensmanagement-Modell v1.0 ist, wenn ich nichts Wesentliches übersehen oder missverstanden habe, zeitlos. Dass wir uns in einem Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft befinden, dort vielleicht sogar schon angekommen sind, spiegelt sich in diesem Modell nicht wider. Aber es ist die erste Version und ich bin gespannt auf weitere Rückmeldungen!
Simon Dückert, Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), 12 Oktober 2007
[Kategorien: Knowledge Management]

4 Responses to “Präsentation zum GfWM-Wissensmanagement-Modell Version 1.0”

  1. Boris Jäger

    Hallo Herr Robes und alle Anderen,

    bitte beteiligen Sie sich an der Diskussion über das Modell auf dem Portal der GfWM.

    Link: http://www.gfwm.de/node/368

    MfG,
    Boris Jäger – neues Mitglied des GfWM Fachteams WM

  2. Simon Dueckert

    Hallo Herr Robes,

    nachdem ich an der Entwicklung des GfWM-WM-Modells mitgewirkt habe, einige Kommentare zu Ihrer Reflektion:

    1.) Es waere schoen gewesen, wenn wir einige Monate Zeit fuer die Arbeit an dem Modell gehabt haetten, nachdem die GfWM ein gemeinnuetziger Verein von Freiwilligen ist, hatten wir leider nur drei Tage innerhalb der angesprochenen Monate 🙂

    2.) Die „Geschlossenheit“ des Modells kommt daher, da wir uns in der Kuerze der Zeit nur mit organisationalem Wissensmanagement beschaeftigt haben, also dem Management der Ressource Wissen in einer Organisation (z.B. Hochschule, Unternehmen, Verein). Um eine ganzheitliche, organisationsuebergreifende Sicht zu bekommen, muessten Modelle fuer den „Lernenden Mitarbeiter“ (=Wissensarbeiter), „Lernende Teams“, „Lernende Regionen“, „Lernende Nationen“ und letztendlich den „Lernenden Planet“ hinzugefuegt werden.

    3.) Zeitlosigkeit: das GfWM-WM-Modell ist vermutlich nicht ganz zeitlos, soll aber dennoch kein „trendiges“, sondern ein nachhaltiges Modell ein. Aus diesem Grund haben wir uns an die ISO 9001:2000 angelehnt, um mit dem Modell in allen Laendern der Welt eine solide Ausgangsbasis zu haben. Das ISO Technical Committee 176 (http://www.tc176.org) arbeitet daran, Risikomanagement und Umweltmanagement in den Standard einzubauen. Wissensmanagement ist meiner Meinung nach ein logischer naechster Schritt.

    Wir werden das Modell in den naechsten Wochen unter Creative Commons Lizenz freigeben. Ich wuerde mich freuen, wenn Sie einige Ihrer Ideen (Web 2.0, Open Innovation etc.) in einer modifizierten Version des Modells beitragen wuerden.

    Viele Gruesse
    Simon Dueckert

  3. Jochen Robes

    Lieber Herr Dückert,
    danke für Ihre Anmerkungen! Und nur zum zweiten Punkt einen kurzen Nachtrag: Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man sich im ersten Schritt auf das Management der Ressource Wissen in Organisationen konzentriert (und sich den „lernenden Planeten“ für später aufhebt). Und natürlich unterscheidet sich das Wissensmanagement in Organisationen grundsätzlich von dem Wissensaustausch in offenen Communities. Aber ich bezweifele, dass es Sinn macht, sich die Wissensprozesse in Organisationen heute ohne den Bezug auf externe Communities (Experten, Partner, Kunden, freie Mitarbeiter) und den permanenten Austausch mit ihnen vorzustellen. Schon im ersten Wurf eines Modells sollte diese Perspektive sichtbar werden. Das für den Moment.
    Beste Grüße, JR

  4. Boris Jäger

    Hallo Simon,

    folgend einige Anmerkungen zu deinen Ausführungen:

    zu 1) Das Problem der Freiwilligkeit darf doch keine Ausrede sein, schon gar nicht für eine Gesellschaft, die sich Wissensmanagement auf die Fahnen schreibt. Vielleicht hätte man die ganze Sache einfach anders aufziehen sollen. Anreize schaffen, ist das nicht ein Erfolgsfaktor im WM?

    Anfänglich hieß es ja, jeder kann teilnehmen, nicht nur Experten, und es gibt 3-5 zweitägige Treffen. Das wurde dann eingeschrängt auf max. 3 eintägige Treffen und nur Experten. Welche Auswirkungen dies gehabt hat, kann ich nur erahnen. Vielleicht hätten sich mehr Mitglieder dafür interessiert, auch als Ideengeber außerhalb des Fachteams. Und wer weiß, es wäre vielleicht so ergiebiger geworden. Durch einen Mix von Laien (potentiellen Anwendern) und Experten, in einem Umfeld, in dem beide Gruppen voneinander lernen. Einen Versuch wäre es wert gewesen, die GfWM ist ja nicht kommerziell ausgerichtet und wenn was nicht gleich klappt, ist das aus Kostensicht nicht so erheblich. Eine solche Vorgehensweise würde auf jeden Fall eher den Prinzipien des WM entsprechen. Dazu kommt noch die technisch ungenügende Ünterstützung für die passive Partizipation …

    Und wenn sich nicht mehr GfWM-Mitglieder für die aktive/passive Teilnahme interessietrt hätten, hätte man sich fragen müssen, ob diese, in deren Interesse das Fachteam agieren soll, überhaupt ein Modell wollen. Ein Indiz, dass dem vielleicht nicht so ist, zeigt die so gut wie gar nicht vorhandene öffentliche Resonanz der GfWM-Mitglieder hier, auf dem GfWM-Portal und bei xing. Von der Resonanz nach den ersten Treffen ganz zu schweigen. Wie auch immer, es wäre vielleicht sinnvoller gewesen, die Meinung der Mitglieder zu berücksichtigen, die wir durch den Fragebogen erhalten haben, der vor dem ersten Fachteamtreffen verschickt wurde. Ob dabei die Entwicklung eines WM-Modells favorisiert wurde, weiß ich nicht, die Ergebnisse der Umfrage kennt ja nicht jeder. Es fehlt an Transparenz!

    Fazit: Ich würde die ganze Geschichte mit den Fachthemen ganz anders aufziehen. Im eigentlichen Sinne einer Community of Practice. Im wiki könnte man z.B. einen Raum schaffen, wo jeder seine Themen auflistet, die für ihn wichtig sind sich damit im Rahmen der GfWM zu beschäftigen. Jedes Thema kann auf einer neuen Seite gemeinsam bearbeitet werden. Wenn aus der virtuellen Zusammenarbeit eine reale bzw. formale wird, hervorragend. Wenn ein Thema nicht bearbeitet wird, auch gut. So sieht man, dass daran nicht genügend interesse besteht.

    Zu 2) Mein Vorschlag war ja, die Wissensbasis mit dem Umsystem zu verbinden. Das wäre nur eine kleine graphische Änderung gewesen und hätte grundlegend in ein, zwei Sätzen erklärt werden können. So wie Herr Robes dies getan hat. Und wie gesagt, diese Änderung ist essentiell.

    Wenn man Organisation im eigentlichen Sinne betrachtet, handelt es sich bei allen von dir aufgeführten Systemen um Organisationen. Ergo, braucht man nicht für jedes System ein eigenes Modell, sondern muss nur die Sichtweise ändern, „Organisation“ mit dem zu betrachtenden System ersetzen und die Inhalte der Modellkomponenten demenstprechend definieren und gestalten. Das Modell ist allgemein anwendbar!

    Zu 3) Zeitlos oder trendig, ich glaube das Modell sollte beides sein. Zeitlos in dem Sinne, dass man es auch in der Vergangenheit hätte anwenden können (z.B. Mittelalter – Stw. Burgmanagement;)) aber auch in der Zukunft (wenn wir durch die Galaxien reisen;)). Trendig in dem Sinne, dass es ermöglicht wird, die Modellkomponenten immer neuen Gegebenheiten entsprechend zu definieren und zu gestalten.

    Warum gerade kompatibilität mit ISO 9001:2000 will mir noch nicht wirklich einleuchten. Natürlich, ein weltweit verbreitetes Qualitätsmanagementsystem aber wird WM durch die Anpassung nicht zu einem Nebendarsteller und unflexibel hinsichtlich anderer Managementsysteme? Besser wäre eine situative Integration der ISO 9001:2000 in ein WM-Modell in Form einer strageischen Zielvorgabe oder so ähnlich.

    Grüsse nach Erlangen,
    Boris

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