Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Wikis – Diskurse, Theorien und Anwendungen

Wikis haben Konjunktur. Wikipedia kennt (fast) jeder, aber was lässt sich vom Erfolgsmodell auf die Praxis in Bildungseinrichtungen, in Organisationen und Betrieben übertragen? Im Editorial der aktuellen Sonderausgabe von kommunikation&gesellschaft mit Schwerpunkt „Wikis“ sprechen die Herausgeber einige Fallen der aktuellen Diskussion an. Sie weisen vor allem darauf hin, dass der Erfolg von Wikipedia oft vorschnell mit der Wiki-Technik verknüpft wird. In der Folge sucht man nach Anwendungen für diese spannende und benutzerfreundliche Software, ohne sich in Ruhe zu fragen, was die Nutzer von Wikipedia (oder eines anderen Wikis) eigentlich treibt. Viele der Beiträge dieser Sonderausgabe – die Titel lassen es zumindest vermuten – sind gerade diesen sozialen Faktoren von Wiki-Communities auf der Spur.

Bestätigen kann ich es für den Beitrag von Christoph Koenig, Antje Müller und Julia Neumann. Die Autoren berichten vom Einsatz eines Wikis an der TU Darmstadt. In ihrer Untersuchung orientieren sie sich an der Dynamik von Wikis in Open Source-Projekten und beschreiben sehr anschaulich, was davon unter den Bedingungen universitärer Lehre bleibt. Ein Fazit: „Aufgrund unserer Erfahrungen können wir sagen, dass in einem Wiki, das versucht, eine ähnliche Dynamik wie in Open Source Projekten anzuregen, eine aufgabenbasierte Didaktik nicht funktioniert.“

Ganz andere Rahmenbedingungen wiederum setzt die betriebliche Praxis. Aber auf den ersten Blick habe ich keine Artikel oder Praxisberichte entdecken können, die sich entsprechenden Einsatzszenarien zuwenden.
kommunikation&gesellschaft. Journal für alte und neue Medien aus soziologischer, kulturanthropologischer und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive, 8. Jg., 2007
[Kategorien: Wikis]