Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Google Print: Leservermehrung

Die große Aufregung nach Start des Projektes im Dezember 2004 hat sich gelegt. Jean-Noël Jeanneney, der Leiter der Nationalbibliothek in Paris, hat zwischenzeitlich noch einmal die europäische Fahne hochgehalten („Googles Herausforderung. Für eine europäische Bibliothek“, 2006) – aber das war’s. Jetzt kann sich Reg Carr, Leiter der Bodleian Bibliothek der Universität Oxford, freuen, dass auch große Bibliotheken in Barcelona und Madrid sich entschlossen haben, in das Projekt einzusteigen, um „gemeinsam mit Google und dessen Partnern die Welt der Bücher und Information für die klassenlose Gesellschaft des World Wide Web zu erschließen.“

Ich will jetzt nicht die „klassenlose Gesellschaft des World Wide Web“ hinterfragen. Sondern ich warte nach wie vor auf einen Bericht, der das globale Projekt „Google Print“ greifbar macht. Nicht als Suche im Web. Sondern beginnend mit der Software, die findige Programmierer, vielleicht in Bratislava, für das kalifornische Unternehmen entwickeln; dann die Leiter der Bibliotheken mit ihren Interessen und Visionen, die sie treiben; dann das Scannen selbst! Wie muss ich mir das vorstellen, wenn Millionen Bücher, vor allem alte Bücher, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind, gescannt werden? Werden Bücher in Containern von New York und Oxford nach Indien und China geschifft, um dort non-stop bzw. Seite-für-Seite verarbeitet zu werden? Oder doch „vor Ort“ und irgendwie automatisiert? Das wäre doch mal Stoff für eine Fernsehreportage … Oder hat jemand Antworten?
Reg Carr, Frankfurter Rundschau v. 11 Januar 2007
[Kategorien: Zukunft des Internet]