Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Bildung zwischen den Jahren

Noch etwas benommen von einer gehörigen Überdosis weihnachtlicher Schokolade habe ich mich in den letzten Tagen wieder ans Web und die Bildung herangetastet. Vor allem, um mich zu vergewissern, dass alles beim Alten geblieben ist:

Web 2.0, Social Software, You (Time Magazine, 25. Dezember 2006). Ich überspringe das Thema, es wird einfach zuviel derzeit. Holtzbrincks Millionen, Videos auf YouTube, und immer mehr Second Life (z.B. gerade in der ZEIT: „Die nächste Kolonie des Kapitalismus“, 4. Januar 2007): die großen Schlagzeilen überdecken derzeit die kleinen Nachrichten aus der Bildungswelt. Wie z.B. diese: „If colleges really want to win the affection of prospective students, they ought to rip a page from the playbook used by Facebook and MySpace, says a new report. The study, ‚Engaging the Social Networking Generation,‘ found that 43 percent of 1,000 collegebound juniors have created Facebook-esque personal profiles on college Web sites.“ (Danke, Uli!).

Dazu passt, dass kein Geringerer als Jakob Nielsen nicht die economic divide, sondern die empowerment divide als zentrale Herausforderung entdeckt, wenn das „read/ write web“ nicht nur das Spielfeld einer aktiven Minderheit bleiben soll („Digital Divide: The Three Stages“, 20. November 2006).

Dann ist da das informelle Lernen, gleichermaßen Hoffnungsträger und ewiges Talent der Bildungsszene (hier geht’s zum Big Picture). Stephen Downes erinnerte zwischen den Jahren daran, dass auch informelles Lernen nur im Handeln relevant wird, oder kurz: „Informal learning isn’t ‚water cooler learning‘.“ (Albert Ip, „Informal Learning – some definitions“, 27. Dezember 2006).

Ganz nüchtern wird es, wenn man sich derzeit in der betrieblichen Weiterbildung umschaut. Viele Vorberichte zur LEARNTEC im Februar. Dann, wie immer zum Jahresbeginn, die Listen drängender Themen und zukünftiger Trends. Workforce Management hat sich, dankenswerterweise (?), nicht getraut, in seiner HR-Aufzählung Training & Development einfach wegzulassen. Denn die Botschaft – Training muss strategisch eingebunden sein, enger ausgerichtet auf Geschäftsziele, stärker unter dem Druck, nachprüfbare Resultate zu liefern – ist so banal wie bekannt („An Ever-Changing Workforce Management Landscape Path“, Dezember 2006). Leider wird es auch nicht brisanter, wenn ein expliziter Bildungsberater wie Josh Bersin seine Agenda diktiert. Aber amüsanter: „E-learning 3.0 arrives“ („2007 Predictions for Enterprise Learning and Talent Management“, 4. Januar 2007). So geht’s auch!

Und die Universitäten? Die Neue Zürcher Zeitung will jetzt regelmäßig berichten, wie weit die Europäer mit ihrem Bologna sind. Und haben gleich über die deutsche Grenze geschaut und dort vor allem „Normenbegeisterung“ und „Kontrollen“ gesehen – oder sehen wollen? („Lehren und studieren im Korsett“, 27. Dezember 2006). Helge Städtler („Thetawelle“) hat dagegen noch vor der Weihnachtspause eine internationale Untersuchung virtueller Hochschulen zum Anlass genommen, über die Zentralisierung und Dezentralisierung von Bildungstechnologie nachzudenken („Virtuelle Hochschulen in Deutschland: Wer ist erfolgreich?“, 6. Dezember 2006). Mit vielen interessanten Stichworten!

Sehr optimistisch stimmt dagegen, was alles bottom-up passiert. So ist das Elearning Center der Universität Zürich ins Podcasting eingestiegen („Weihnachtsgeschenk: E-Learning Podcast“, 22. Dezember 2006), ebenso Helge Städtler und Anja C. Wagner („eduFuture“); und Thomas Bernhardt und Marcel Kirchner, Studenten an der TU Ilmenau, video-podcasten gerade ihre Diplomarbeit („Du bist der Autor!“ – Vom Nutzer zum Wikiblogcaster!“).

Und während Martin Röll („Das E-Business Weblog“) in seinem Jahresrück- und ausblick einräumt, dass er für das Thema „persönliches Informationsmanagement“ noch kein tragfähiges Geschäftskonzept gefunden hat, meldet Gabi Reinmann („e-Denkarium“), dass sie die Arbeit zu einem Buch über das individuelle bzw. persönliche Wissensmanagement wieder aufgenommen hat! Im Frühjahr soll es erscheinen! („Arbeit zum persönlichen Wissensmanagement wieder aufgenommen“, 31. Dezember 2006).

Also, genug Stoff für Diskussionen ist da. Ich freue mich auf neue Ideen, Anmerkungen und Austausch im neuen Jahr!

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