Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Bibliothek 2.0: Die Bibliothek der Zukunft?

Ich habe schon mehrmals darauf hingewiesen, dass sich viele der neuen Rollenbilder, die das Internet und Web 2.0 mit sich bringen, am Beispiel der Bibliotheken besonders anschaulich diskutieren lassen. War es für wissenschaftliche Bibliotheken lange Zeit ausreichend, Informationsbestände zu erfassen, zu pflegen und zu systematisieren und die Nutzer in den richtigen Umgang mit diesen Beständen einzuweisen, so wird heute diese Aufgabenteilung mehr und mehr kritisch hinterfragt. Hier setzen auch die Autoren an: Die „Bibliothek 2.0“ ist eine, „in der der Benutzer mitarbeitet, und so selbst Teil des Bibliotheksbetriebs wird“. Grundlage dieses „Paradigmenwechsels“ sind neue Möglichkeiten wie RSS, Social Bookmarking, Weblogs, Tagging und Folksonomies, die an einigen Beispielen beschrieben werden, bevor man sich dem „Bibliothekar 2.0“ zuwendet:

„Bibliothekare sollten ihre abwartende Haltung gegenüber den neuartigen Webmedien aufgeben. Der größte Fehler wäre, wegen des partizipatorischen Charakters von Wikis, Weblogs, Social Bookmarking und Co. diese Technologien als im Kern „nicht-wissenschaftlich“ zu verwerfen, sie als Gimmicks fürs Bibliotheksmarketing zu betrachten, oder sich eigentlich gar nicht zuständig zu fühlen. Ein wissenschaftlicher Bibliothekar, der seinen Benutzern Informations- und Medienkompetenz auf der Höhe der Zeit vermitteln will, sollte optimalerweise auch über die Vor- und Nachteile des Verfassens einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit in einem Weblog beraten können. … Bibliothekare sollten kompetente Ansprechpartner ihrer Hochschule sein, wenn diese eine Weblogplattform einführt, und beispielsweise Aussagen darüber treffen, welche Klassifikations- und Taggingsysteme den Weblogautoren in welcher Form zur Verfügung stehen sollten.“
Patrick Danowski und Lambert Heller, Bibliotheksdienst 11/ 2006 (via E-LIS)
[Kategorien: Web 2.0, Zukunft des Internet]