Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Online Educa

Die Online Educa war eine spannende, dichte, aber auch seltsame Konferenz. Über 2.000 Teilnehmer aus 90 Ländern weltweit – und damit mehr Teilnehmer als auf Elliott Masie’s Learning 2006! „The most international conference I’ve attended“, schreibt George Siemens, einer der Keynote-Speaker. So hat man als Teilnehmer aus Deutschland das Gefühl, zwar noch auf heimischem Boden zu sein, aber doch einer Minderheit anzugehören; ein Gefühl, das durch die fehlende Präsenz von Ausstellern aus Deutschland und die Verkehrssprache Englisch verstärkt wird. Aber ich möchte die Begegnungen und Gespräche auf der Online Educa nicht mehr missen!

Das Opening Plenary

Was kann ich nach zwei Tagen Non-Stop-Keynotes und Sessions sagen? Es waren durchweg interessante Keynotes: David Siele schilderte die Bildungssituation in Kenia und ordnete ein: „E-Learning is expected to increase access to education and learning“. Dann noch etwas Werbung für die „eLearning Africa 2007“ in Nairobi. George Siemens erklärte uns, „how knowledge is changing“ und setzte, wie gewohnt, große Fragezeichen hinter traditionelle Bildungsmodelle. Jean-Michel Billaut (BNP Paribas) rief zu einem „new deal for Europe“ auf und möchte Glasfaser in jedes Wohnzimmer bringen. Und Roger Larsen (Fronter) beschrieb die Zukunft von Lernplattformen: inhaltlich als „Collaborative Working Environments“ und organisatorisch als „Open Source 2.0“.

Ich will diese Keynotes nicht weiter bewerten oder mit denen des letztes Jahres vergleichen; und was die Inhalte betrifft, so gibt es vielleicht bald eine Gelegenheit, die Slides im Detail zu studieren. Was aber auffällt: Es waren keine wirklichen Herausforderungen dabei. Niemand, der den internationalen Bildungsexperten einmal den Spiegel vorhält. Kurse und Programme sind tot? Networked learning? Learner-centered education? Informal learning? Sind das auch die Fragen, die „draußen“ diskutiert werden, wenn es um People Management geht?

Warum nutzt man nicht diese großartige Bühne, um andere Perspektiven auf Information & Knowledge zuzulassen? Warum stehen nicht mal Larry Page und Serge Brin auf der Bühne und erzählen, wie sie sich die Welt von Morgen vorstellen? Oder Jimmy Wales mit seiner Wikipedia? Warum stellt man sich nicht den, möglicherweise kritischen Anforderungen der Wirtschaft? Warum schildert nicht der CEO eines Global Players seine Sicht auf Human Capital, auf Talent Management und auf … Bildung und Weiterbildung?

Sessions

In den Sessions, die ich besuchte, ging es u.a. um „Web 2.0“, „Informal Learning“ und „Podcasts“. Die Web 2.0-Vorträge drehten sich um den Einsatz von Drupal zur Unterstützung von Learning Communities (Michael Kerres), zwei Wiki-Projekte in Belgien und UK sowie Grundsätzliches zum Potenzial von Web 2.0 und Social Software (Michael Kerres, Lutz Goertz, Kai Heddergott).

Der erste Tag schloss mit einer Session zu „Future Perspectives“ ab. Beeindruckend, wie Monika Weber-Fahr E-Learning aus der Perspektive der Weltbank darstellte; und dann kam auch Rich Caccavale (Blackboard) zu Wort und beschrieb, wie die Zukunft von E-Learning aus der Sicht eines Lernplattform-Anbieters aussehen könnte. Natürlich endete sein Vortrag mit dem Hinweis auf die Blackboard Beyond-Initiative, mit der sich das Unternehmen stärker der Web 2.0-Technologien annehmen wird. Aber sicher noch schöner, dass er diese Ankündigung mit einem langen Zitat von Stephen Downes stützte. Schade, dass niemand auf die Idee kam, Rich zu fragen, ob sich Blackboard Weblogs, Wikis und Social Bookmarking-Tools hat bereits patentieren lassen …

Den zweiten Tag eröffnete ein etwas angegriffener Jay Cross. Natürlich ging es um „informal learning“ und die Frage, wie wir das Potenzial, das in ihm steckt, nutzen. Jay Cross: „The best technologies for learning are conversations and beer.“ Kevin Wheeler setzte im Anschluss den Fokus auf Innovationen („learning to think and innovate is new territory“). Dann präsentierte Yael Ravin eindrucksvoll, wie IBM das informelle Lernen ihrer Mitarbeiter unterstützt: Social Bookmarking und Tagging, Discussion Jams und Communities – da konnte man schon neidisch werden! Mike McKeown’s (Cisco) Ausführungen waren kaum weniger beeindruckend, aber im Gedächtnis ist mir seine kleine Videopräsentation geblieben. Sie hatte irgend etwas mit informellem Lernen zu tun …

Weitere Stimmen zur Online Educa:

George Siemens
Jay Cross
Teemu Arina
Mandy Schiefner (sehr ausführlich!)
Michael Kerres
Online Educa (Fotos)

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