Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

eUniversity – Update Bologna

Eine Konferenz im Bundeshaus, Vorträge im Plenarsaal des Bundestages – das macht schon was her! Und es gab kaum einen Redner, der sich nicht beeindruckt zeigte. Über 500 Teilnehmer, strahlendes Wetter, beste Rahmenbedingungen also. Was habe ich, als Zaungast sozusagen, mitgenommen?Die Hochschulen haben es derzeit nicht leicht: Während e-Learning, das Stichwort vergangener Konferenzen, noch als primär didaktische Herausforderung begriffen werden konnte, angereichert mit einem Schuss „Change Management“, geht es heute ums Ganze. Man steckt mitten drin in Strukturreformen, in Bologna, und als ob das nicht schon genug wäre, muss man sich auch noch permanent mit dem Vorbild USA und den keine Ruhe gebenden OECD-Statistiken auseinandersetzen. Die Zeit drängt, die Zahl der Studierenden steigt weiter, das finanzielle Korsett bleibt eng, neue Märkte und Zielgruppen müssen trotzdem erobert werden.

Von daher ist es sicher gut und richtig, die „e“-Themen auch einmal kleiner zu schreiben. Was auch alle Sprecher des ersten Tages taten: Jörg Dräger, Hamburger Senator, in seinem Grußwort etwas weniger: er zeigte noch einmal sehr schön die Stationen auf, die die Hansestadt seit 2001 gegangen ist: von e-Learning, über den eCampus bis zur eUniversity. Aber schon Dieter Lenzen, Präsident der FU Berlin, zeichnete das große Bild. Er ließ sich auch von seinen eigenen präsentationsuntauglichen Folien nicht aufhalten, bot anschauliches Material und eigene Erfahrungen zum amerikanischen Hochschulwesen, nannte Zahlen, verglich die FU Berlin und erzählte, was man dort trotzdem losgetreten hatte. Beeindruckend und informativ!

Thomas Hoeren, Münster, hat mich dann – unerwarteterweise – prächtig unterhalten. Dabei ging es um Juristisches, um rechtliche Konsequenzen des digitalen Campus-Managements, Datenschutz, Mitbestimmung, DRM, Beweiswertproblematik, usw., aber sein ironischer Stakkato-Vortrag präsentierte das Thema leicht verdaulich. Und solange man nicht selbst davon betroffen ist … Abdul Waheed Khan von der UNESCO dagegen bestätigte nur Altbekanntes.

Abschließend ging es dann noch in einem Workshop zur Sache, die „Web 2.0“ hieß. Zuerst gab Thorsten Hampel, Paderborn, einen kurzen Überblick. Nichts Neues, aber einige interessante Pointierungen, wie z.B. die Bezeichnung des Übergang vom traditionellen zum E-Learning 2.0 als Übergang vom „Autorensystem zum ko-aktiv genutzten Lernraum“ (Abstract). Gabi Reinmann, Augsburg, versuchte, das Nicht-zu-Vereinbarende, Bologna und Web 2.0, zusammenzubringen. Nachdem sie einleitend auf Gegensätzliches hinwies (z.B. Fremd- vs. Selbstorganisation), entwarf sie anschließend eine Lerninfrastruktur auf drei Ebenen, die Fachstudium und Praxisgemeinschaften zusammenbringt – in jeden Fall etwas zum Nachlesen (Abstract).

Ansonsten kann ich nur empfehlen, in den Beiträgen der unmittelbar Beteiligten und Betroffenen weiterzulesen, z.B. Gabi Reinmann, Joachim Wedekind, Michael Kerres.

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