Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Ageing Workforce

Gestern hatte die LEARNTEC in Frankfurt einen Pressetag veranstaltet, und ich habe mich wieder mal der schreibenden Zunft angeschlossen. Das war zugleich eine schöne Gelegenheit, das Frankfurter Literaturhaus aufzusuchen – als Frankfurter brauche ich anscheinend solche Termine, um die Stadt etwas kennen zu lernen. Gleichzeitig haben mich auch das Thema „Ageing Workforce“ und die eingeladenen Referenten gereizt, meinen Arbeitstag spontan umzuorganisieren.

Vorab einige Eindrücke zum Tag:
– Zum Thema gehört wohl unvermeidbar die (zeitraubende) Diskussion darüber, ob es „ältere Mitarbeiter“ überhaupt gibt („denn jeder ist so jung …“) , wie man diese Zielgruppe nennen darf, wann Mitarbeiter dieser Zielgruppe angehören, usw.

– Den Einstieg ins Thema bildet häufig eine Art Nabelschau: die nationale Bevölkerungsentwicklung, die Geburtenrate in Deutschland, usw. Das irritiert. In Zeiten des europäischen Arbeitsmarktes wirken einige Problemstellungen sehr künstlich (um es vorsichtig auszudrücken).

– Und schließlich: Es mangelt an Empirie, was viele Fragestellungen betrifft. Sind ältere Mitarbeiter von Weiterbildung tendenziell ausgeschlossen? Oder nutzen sie nur andere, informelle Wege, um sich notwendiges KnowHow anzueignen? Was verlieren Unternehmen an Wissen, wenn ein Mitarbeiter ausscheidet? Hier darf derzeit noch viel gefühlt und getastet werden.


Weil das so ist, haben sich die Referenten auch darauf konzentriert, einzelne Projekte vorzustellen. Michael Müller (sciNOVIS) hat z.B. erzählt, was die Volkswagen Coaching unternimmt, um das Wissen der Fach- und Führungskräfte zu sichern, wenn diese in den Ruhestand gehen. Ein Stichwort heißt „Wissensstafette“, und nach einem Blick in mein Archiv habe ich hier noch eine Präsentation gefunden. Gerd Feninger (Bosch Siemens Hausgeräte) hat dann über ein Blended Learning-Angebot berichtet, mit dessen Hilfe sich Mitarbeiter über ihre gesamte Berufslaufbahn hinweg kontinuierlich weiterqualifizieren können.

Lutz Michel (MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung) hat mit der Durchführung des aktuellen LEARNTEC Monitors „Ageing Workforce“ versucht, die angesprochene empirische Lücke zu schließen. 157 Personal- und Bildungsverantwortliche wurden befragt, so dass jetzt Zahlen zur Teilnahme älterer Mitarbeiter an Weiterbildung, über eingesetzte Medien und geplante Bildungsaktivitäten zur Verfügung stehen. Details, sobald ich etwas zum Verlinken finde. Und schließlich erinnerte Kerstin Berte von der FernUniversität Hagen daran, dass es immer um Weiterbildungsangebote gehen sollte, die „auf die individuellen Voraussetzungen der Lerner“ zugeschnitten sind – unabhängig von ihrem Alter.

Insgesamt ein runder Nachmittag in schöner Atmosphäre! Und absolut begrüßenswert, dass die LEARNTEC den eingeschlagenen Weg fortsetzt und ihr Themenspektrum auf diese Weise erweitert!

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