Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Beyond E-Learning

Der Urlaub war fast eine „e-Learning-freie“ Zeit – bis auf eine Ausnahme: Ich hatte mir das neueste Werk von Marc J. Rosenberg mitgenommen und gelesen (die letzten Seiten musste ich allerdings in Frankfurt nachholen). Marc Rosenberg hatte ja bereits 2001 mit „E-Learning: Strategies for delivering knowledge in the digital age“ einen Klassiker geschrieben und jetzt, nach fünf Jahren, also diese Fortschreibung.

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Für mich liegt der zentrale Nutzen dieses Buches in einer einzigen Grafik (anbei eine frühere Version, die ich im Web gefunden habe; zum Anschauen einfach anklicken). Mit ihr bildet Rosenberg die Learning and Performance Architecture eines Unternehmens bzw. einer Organisation ab und fasst wunderbar Training und Workplace Learning, formelles und informelles Lernen, E-Learning und Knowledge Management in einem einzigen Bild zusammen! Diese Architektur bildet auch die Struktur seines Buches, indem er schrittweise ihre einzelnen Bausteine beschreibt.

Was zudem angenehm auffällt: Rosenberg schafft es, durch sein Thema zu führen, ohne dass er Begriffe wie e-learning 2.0, Weblogs und Wikis bemüht, obwohl sie die zentrale These seines Buches unterstützen. Stattdessen wird immer wieder betont, dass alle Lernaktivitäten nicht auf den Wissenszuwachs der Mitarbeiter, sondern die Verbesserung ihrer Performance und das Erreichen der strategischen Unternehmensziele gerichtet sind.

Weitere wichtige Aussagen dieses Buches:
– „… e-learning must be reinvented. … It must move beyond courseware and classrooms and into work.“ (43)
– „Learning is not training.“ (71)
– „An expanded view of blended learning includes the combination of training (formal) and nontraining (informal) approaches that support the smart enterprise (such as knowledge management, performance support, and coaching) …“ (83f.)
– „… to appropriately blend push and pull learning across formal and informal settings.“ (85)
– „… the role of learning and learning technology changes as workers move through four levels of mastery: novice, competent, experienced, and master/expert.“ (93)
– „Their [instructors] traditional role as presenters of information (’sage on the stage‘) will give way to an increasing role as facilitators and coaches (‚guide on the side‘).“ (247)
– „Training, knowledge management, collaboration, and performance support are organized not as singular, siloed functions but as part of a broad-based learning and performance architecture.“ (293)

Ansonsten ist das Buch etwas „amerikanisch“: viele Beispiele, viele „How-to“-Aufzählungen und einige Redundanzen. Aber eine klare business-orientierte Perspektive!
Marc J. Rosenberg, Beyond E-Learning: Approaches and Technologies to Enhance Organizational Knowledge, Learning, and Performance, San Francisco (Pfeiffer) 2006
[Kategorien: e-learning, Knowledge Management]