Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

eLearning auf dem Prüfstand. Haben e-Learning und virtuelle Universitäten die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt?

Diese Frage stellt der Autor vor dem Hintergrund der vielen gescheiterten Versuche, aus virtuellen Universitäten erfolgreiche Geschäftsmodelle zu machen (am besten dokumentiert sind wohl Entstehung und Ende der britischen e-Universität, UKeU). Es geht also weniger um e-Learning, als um die Frage, was in diesen Projekten schief gelaufen ist. Joergen Bang, dänischer Hochschulprofessor, findet, dass zu lange „das Lernen und insbesondere das e-Learning als ein Prozess des Wissenstransfers und nicht als Schaffung von Wissen angesehen wurden.“ Was mit dem Fokus auf Lernressourcen und das „ressourcenbasierte Lernen“ vernachlässigt wurde, waren die Lerntätigkeiten:

„Lernressourcen (Lernobjekte) werden nur dann im Lernprozess aktiv, wenn der Lerner etwas Nützliches damit anfangen kann. Die Schaffung von lebensrelevanten Lerntätigkeiten wird somit zu einem Kernelement. Erfolgreiche Lerntätigkeiten mobilisieren die Fähigkeiten (präsentes Wissen, kulturelles Erbe usw.) der Lernenden und treten mit der neuen Lernressource als Lerngrundlage in Dialog.“ (via Mandy Schiefner)
Joergen Bang, elearningeuropa.info, 30 Mai 2006
[Kategorien: eUniversity, e-learning]

2 Responses to “eLearning auf dem Prüfstand. Haben e-Learning und virtuelle Universitäten die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt?”

  1. Helge Städtler

    Die UKeU ist ja auch immer mein Paradebeispiel wie man richtig schön schnell viel Geld (60 Mio Brit. Pfund) in den Sand setzen kann.

    Nachdem ich jedoch auch einmal Teil der virtuellen Hochschule Bayern war, entwickelt sich bei mir das dumpfe Gefühl, dass der Erfolg von e-Learning weder vom Geld noch von der Technik abhängt.

    Ich habe vielmehr den Eindruck, dass es in allen fehlgeschlagenen Projekten ein massives Problem in Sachen Managementprofessionalität gibt und gab. Die Organisations- und Managementstrukturen sind schlicht und einfach staatlich/behördlich durch das „Verwalten“ vorgeprägt. Es gelangen leute an die Spitze, die „Verwaltungsexperten“ sind und nicht etwa Vollblutmanager!

    Leider kommt man aber mit „Verwalten“ bei der Einführung von Innovation und einem Kulturwandel (und nichts anderes ist E-Learning in dem Fall) nicht sehr weit. Da braucht es Engagement und Begeisterung die durch Vorbilder gelebt wird. Es braucht „Coopetition“ um die beste Lösung. Wenn man all dieses hat, dann braucht es aber eben auch noch den Manager / Managerin der das ganze stringent auf Kurs hält.

    Diese Gallionsfigur habe ich bei keinem der in dem Artikel genannten Projekte entdecken können. Namen werden ja nichteinmal genannt.

    Gruss,
    Helge

  2. Jochen Robes

    Guter Punkt, Helge! Absolut nachvollziehbar! Vielleicht sollten wir noch „für die Akten“ festhalten, dass fehlende „Managementprofessionalität“ kein Privileg von Behörden und Verwaltungen ist. Ich weiß nicht, ob es 60 Mio. Pfund waren, aber ähnliche Summen haben die Peter Kabels und Thomas Haffas sicher in den Sand gesetzt – durchaus als „Galionsfiguren“ (und werden ja heute noch teilweise als solche gehandelt). In diesem Sinne beste Grüße, JR

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