Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Die öffentliche Vernunft

Jetzt wird es schwierig, weil ich nur auf die Zusammenfassung einer Rede, nicht aber die Rede selbst hinweisen kann. Aber es geht um Habermas, den „letzte(n) lebende(n) Vertreter der alten Frankfurter Schule“. Jürgen Habermas hat in Dresden über die politische Kommunikation in der Mediengesellschaft gesprochen, der Kritiker des Tagesspiegel hat zugehört und mitgeschrieben und so erfahren wir, dass es schlecht um die öffentliche Meinung und die Massenmedien steht, noch schlechter, wenn nicht das Internet etwas Schwung in festgefahrene Strukturen bringen würde. Aber lesen wir, was der Vertreter des Tagesspiegel in einer Fußnote des Habermas’schen Redemanuskripts gefunden hat:

„Das Internet sei geeignet, so Habermas, deliberative Elemente in die elektronische Kommunikation einzuführen. Die Nutzung der weltweiten Computernetze unterlaufe nicht nur die Zensurmaßnahmen autoritärer Regime. Dank dem Internet werden auch die „Wurzeln einer egalitären Öffentlichkeit von Autoren und Lesern reaktiviert“. Ähnlich positiv wie über die virtuellen Stammtische im Cyberspace hat sich Habermas bislang nur über die Salons, Kaffeehäuser und Tischgesellschaften im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts geäußert. Allerdings ist sein Lob des Internets mit einer Warnung verbunden: Die Online-Debatten der Web-User können auch die Fragmentierung des Massenpublikums in eine Vielzahl themenspezifischer Teilöffentlichkeiten zur Folge haben.

Laut Habermas kann die Online-Kommunikation nur dann einen relevanten Beitrag zum politischen Diskurs leisten, wenn sie sich mit der Berichterstattung der etablierten Medien auseinander setzt. Ein positives Beispiel hierfür sei die Webseite von bildblog.de. Die Bildblog-Redakteure haben der Online-Ausgabe des Massenblatts neulich eine Honorarforderung in Höhe von 2088 Euro für ihre ungebetenen Korrekturarbeiten zukommen lassen. Über diesen Gag kann sich der Theoretiker des kommunikativen Handelns köstlich amüsieren.“
Dietmar Jazbinsek, Der Tagesspiegel, 23 Juni 2006
[Kategorien: Zukunft des Internet]