Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Ideen und Anregungen gesucht!

Ich weiß, ich bin spät dran: Nächsten Donnerstag muss ich auf der microlearning conference 2006 Stellung beziehen. Die „stagnation of corporate e-learning“ ist mein/ unser Thema. Es soll darum gehen, warum wir so fleißig über „web 2.0“ und „e-Learning 2.0“ diskutieren, wo doch in vielen Unternehmen gerade „e-Learning 1.0“ angekommen ist (Im Programm steht sogar „Corporate Learning between e-Learning versions 1.0 und 2.0“ unter meinem Namen!).

Ist alles nur eine Frage der Zeit, und sind wir zu ungeduldig? Haben wir noch nicht die richtige Sprache gefunden, um die Vorteile von „e-Learning 2.0“ zu vermitteln? Sind Großunternehmen vielleicht die falschen Adressaten? Wie könnten Geschäftsmodelle zu „e-Learning 2.0“ oder zum informellen Lernen aussehen? Das sind einige der Fragen, die mir durch den Kopf gehen. Aber sind das auch die richtigen, die interessanten?

Kurz: Wer hat Lust und Zeit, mir kurzfristig seine Ideen und Stichworte zuzurufen? Oder kann mir von eigenen Erfahrungen berichten? Es muss nichts Großes sein, jeder Hinweis ist willkommen!

Einfach einen Kommentar verfassen oder eine Email schreiben (info@weiterbildungsblog.de) oder … Ich freue mich über alles, was mich bis Mittwoch erreicht. Dann geht es ab nach Innsbruck.

13 Responses to “Ideen und Anregungen gesucht!”

  1. Lore Reß

    Hallo Herr Robes,
    auf unserem gestrigen eLearning Stammtisch diskutierten wir mit Frau Prof. Dr. Back zum Thema eCollaboration. Auch hier zeigte sich, dass die Werkzeuge des sogn. Web2.0 zur Zeit mehr im schulischen und universitäten Bereich denn im Unternehmen eingesetzt werden.
    Zum Eingang des „eLearning 1.0“ in Unternehmen: da ist auch noch genügend „room for improvement“.
    Aber ich kenne auch einige Unternehmen, die beginnen VC und Weblog in Führungskräftetrainings einzubinden um die Zusammenarbeit zu fördern. Leider sind diese Projekte noch nicht so weit gediehen um darüber zu berichten.
    Geschäftsmodelle zu elearning 2.0 und informellem Lernen – ?? – Das wäre doch ein Thema für einen eLearning Stammtisch oder ?

    Viele Grüße
    Lore Reß

  2. Helge Staedtler

    Es ist ganz sicher spannend, wenn einmal jemand aufzeigt, in welchen Bereichen „eLearning 2.0“ einen Unterschied macht. Ist das vorwiegend die Technik, die Didaktik, die Organisation, die Einstellung der Nutzer, neue Kundenorientierung, usw. damit könnte man schon ein wenig Klarheit schaffen. Der Begriff ist sicher auch deshalb im Unternehmenssektor noch nicht so sehr im Bewußtsein, weil die Beiträge von „eLearning 2.0“ unklar sind.

    Ich stelle mir da z.B. eine Tabelle vor „1.0 vs. 2.0“ und dann den jeweiligen Bereich, was sich da ändert. Das dürfte aber eine ziemliche Herausforderung sein. 😉

    Womöglich muss die Tabelle auch um weitere Spalten (z.B. „digital stone age“ und „Beta“) erweitert werden damit es überhaup einen Sinn macht.

    Gruss,
    Helge Staedtler

  3. Joche Robes

    Hallo Herr Staedler,

    danke für die Tipps! Eine Gegenüberstellung von „e-Learning 1.0“ und „e-Learning 2.0“ ist eine gute Idee – wenn nur nicht zu viele damit einsteigen! Ich erinnere mich, dass John Erpenbeck auf der Konferenz in Salzburg da einige Folien hatte …
    http://eportfolio.salzburgresearch.at/images/stories/Fachtagung2006/keynote1_erpenbeck.pdf

    Hallo Frau Ress,
    ich habe es leider zur Veranstaltung mit Frau Back nicht geschafft, weil ich den Schreibtisch noch für Pfingsten frei bekommen musste. Da hätte man ja gleich einige Bälle aufnehmen können! Die Frage nach den Geschäftsmodellen bleibt uns sicher erhalten: ich werde sie aber nach Innsbruck mitnehmen, weil das für Kunden wie e-Learning-Anbieter ja am Ende eines Tages der Punkt ist, der bleibt!
    Beste Grüße!

  4. Gabi Reinmann

    Satt (berechtigt) zu klagen, was in Unternehmen alles nicht nicht geht und was selbst beim E-Learning der ersten Generation noch alles schief läuft, kann man vielleicht doch auch auf ein paar „Leuchttürme“ verweisen, die zeigen, dass es überhaupt geht: z.B. Weblogs im Unternehmen und sei es nur im Intranet (siehe z.B.: http://medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de/modules/content/index.php?id=153)
    Vielleicht sind auch Hinweise auf innovative Beispiele in MBAs von Nutzen, denn das sind Hochschulbeispiele, die sich zumindest eng an die Unternehmenswirklichkeit andocken wollen. Das ZWW an der Uni Augsburg hat in Kooperation mit uns einen MBA u. a. mit mehreren Social Software Werkzeugen ausgestattet. Leider ist das alles noch sehr jung, sodass es noch keine Projektskizze oder anderweitige Berichte gibt. Dauert leider noch ein paar Wochen.

    Was ich meine: Interessante Einzelbeispiele sind in Pionierphasen (und da sind wir ja wohl noch in Sachen Unternehmen und Social Software oder Web 2.0) durchaus berechtigt. 🙂

    Gabi Reinmann

  5. Jaroslaw Leszczynski

    Sehr geehrter Herr Dr. Robes,

    als interessierter Einsteiger in das Thema Web 2.0 stelle ich fest, dass es nötig wäre, mehr darüber zu erfahren, wie bei den Web 2.0-Diensten Communities entstehen können, um dann die Möglichkeit dieser Emergenz auf Unternehmen zu übertragen. Der Mehrwert von Web 2.0-Diensten kann auch für Unternehmen nur dann estehen, wenn die kritische Masse an Usern erreicht wird. Zur Zeit würde ich schätzen, sind Ermergenzen solcher Art in Unernehmen schwierig, da die meisten Mitarbeiter in den meisten (vorischtig geschätzt) Unternehmen keine zeitgemäße Vorstellung von individueller Wissensgewinnung haben.

    Viele Grüße

    Jaroslaw Leszczynski

  6. Stephan Mosel

    Die Gegenüberstellung von „learning 1.0“ und 2.0 findet sich auch bei Michael Kerres:
    http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/node/2160

    Ich denke es macht schon Sinn, die Unterschiede aufzuzeigen, den momentanen Stand im Corporate eLearning zu beschrieben, und zu schauen was davon auch im Firmen-Bereich Einzug halten könnte; und was eben nicht. Schliesslich ist die Expertise und Selbstorganisation heutiger Knowledge Worker bereits sehr weit davon entfernt, wie im Großen und Ganzen in Unternehmen gelernt wird (soweit ich das beurteilen kann).

    Vielleicht hilft es auch, sich nochmal die Proceedings der Microlearning 2005 anzusehen, oder den Eintrag in der englischen Wikipedia? Ebenso gibts viele Links zum Tag „Microlearning“ bei del.icio.us und Technorati.

  7. Ralf Hilgenstock

    Unter Microlearning fällt mir zunächst einmal der Begriff Mikro-Artikel“ ein. Er stammt von Willke, Systemisches Wissensmanagement, und beschreibt ein Instrument im Wissensmanagement, welches schon lange in der Industrie genutzt wird.

    „Mikro-Artikel“ ist eine Technik der Wissensaufbereitung und -vermittlung an der Schnittstelle von personalen und sozialen Lernprozessen in Organisationen.

    Vielleicht sollte der Blick über der Lern-Horizont in den Bereich des Wissensmanagement schweifen, wo viele Instrumente praktiziert werden, die vielfache Berührungen zu MicroLearning haben aber außerhalb der Debatte über Web 2.0 stehen.

  8. Tim Schlotfeldt

    Neben den kulturellen Aspekten noch eine ganz pragmatische Sichtweise aus der Beratungswelt:

    Informelle Lernprozesse bedürfen keiner aufwändigen Beratungstätigkeit. Wenn wir z.B. Organisiationen bei der Wiki-Einführung unterstützten, dann haben wir da in der Regel einen Aufwand von vielleicht vier, maximal fünf Berater- und Trainertagen. Das ist für große Beratungshäuser nicht sehr interessant, und teure Software lässt sich damit auch nicht verkaufen.

    Ansonsten denke ich auch, dass wir zu ungeduldig sind und dass da viel zu hohe Ansprüche and den normalen Mitarbeiter in Unternehmen gestellt wird.

  9. Alexander Kempe

    Ich stelle angenehm überrascht fest, dass ich in den 2.x Versionen des Web und des E-Learnings (hier lasse ich dieses Mal sämtliche Definitionen gelten 🙂 ) sehr oft mein altes Lieblingsthema „Communities Of Practice“ wieder entdecke. Nehmen wir die sieben Grundprinzipien nach Wenger 2002

    1. Design for evolution.
    2. Open a dialogue between inside and outside perspectives.
    3. Invite different levels of participation.
    4. Develop both public and private community spaces.
    5. Focus on value.
    6. Combine familiarity and excitement.
    7. Create a rhythm for the community.

    und reiben uns verwundert die Augen, was plötzlich internet-basierend fast zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Vielleicht ist es sogar möglich, dass das Thema Qualität mit Hilfe der neuesten (?) Technologien einen neuen Stellenwert gewinnt? Bisher noch reine Gedankenspiele, aber reizvoll …

    Hallo Herr Schlotfeld, aus meiner Ex-Beratersicht: Vielleicht werden mit dieser Verknüpfung auch lukrative Projekte daraus? Verknüpfen Sie einmal die anschaulichen Beispiele aus Wengers Kapitel „Measuring and Managing Value Creation“ mit dem Potential der 2.x Versionen. Das Thema Geld lässt sich immer verkaufen und die Projekte dauern garantiert länger als sieben Tage 🙂

    Quelle: Cultivating communities of practice / E. Wenger, R. McDermott, W.M. Snyder, Harvard Business School Press, Boston, 2002.

  10. Tim Schlotfeldt

    Hallo Herr Kempe,

    „Communities Of Practice“ ist eines meiner Lieblingsthemen 😉

    Beratungsbedarf ist erheblich, mein Eindruck ist nur, dass für es für die großen Beratungshäuser nicht interessant ist und daher auch auf dieser Ebene gar nicht diskutiert wird.

  11. Jaroslaw Leszczynski

    Herr Kirschner,

    da kann ich nur beipflichten: http://net10years.com ist eine sehr vielfältige Darstellung des Web 2.0 – Denkens.
    Ebenso der Podecast von Frank Westphal, (Mitarbeit am Projekt http://www.qype.com : http://www.frankwestphal.de/Tonabnehmer10-FrankWestphal-Web2.0oderDasWebsindwir.html)

    Ich habe mir inzwischen die Beschreibung des elearning 2.0 von Herrn Kerres angeschaut: http://mediendidaktik.uni-duisburg-essen.de/node/2160

    Ich stelle fest, dass es durchaus wichtig ist, sich auf das Web 2.0-Denken einzulassen, bevor man Geschäftsmodelle im Bereich des elearning 2.0 kreiert. Ich würde auch raten, Web 2.0 nicht allzuschnell als ein Buzzword abzustempeln. Schon alleine die Durchsicht der oben genannten Quellen läßt mich eine Konsequenz ziehen: für Mediendidaktiker besteht vielleicht die Gefahr, dass sie technische Möglichkeiten RSS, Tagging, usw. ins elearning 2.0 übernehmen, ohne tatsächlich das Web 2.0-Denken in seiner Ganzheitlichkeit zu berücksichtigen. Für mich bleibts dabei: ein (wissens?)soziologisches Verständnis der Communities im Web 2.0 geht der Kreation neuer elearning 2.0-Geschäftsmodelle voraus.

    Viele Grüße

    Jarosalw Leszczynski

  12. Jochen Robes

    Danke für die vielen spannenden Hinweise und Kommentare!! Das ist viel mehr, als ich erhofft hatte, und zuviel, um auf alles einzeln eingehen zu können! Aber ich werde nach der Konferenz alles in Ruhe ordnen! Versprochen! Beste Grüße, JR

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