Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Bildung in Deutschland

Auf allen Kanälen kommt gerade diese Nachricht herein: Deutschland hat einen ersten umfassenden Bildungsbericht! Auf über 300 Seiten gibt er Auskunft über Stand und Entwicklung des deutschen Bildungssystems! Den roten Faden bildet die Leitidee der „Bildung im Lebenslauf“. Im Vordergrund stehen, das haben nationale Berichte oft an sich, Empirie und Systematik; auf Wertungen und Empfehlungen wird explizit verzichtet.

Was bietet dieser Bildungsbericht? Im einleitenden Teil werden die Rahmenbedingungen erläutert, die sowohl die Ziele als auch den Handlungsspielraum der Bildungsakteure bestimmen: Demographie, Wirtschaft, Globalisierung, die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft sowie veränderte Familien- und Lebensformen. Alte Bekannte also.

Wirft man einen Blick in das Kapitel G, „Weiterbildung und Lernen im Erwachsenenalter“, so weist der Bericht unmissverständlich auf einen „Grundwiderspruch“ unserer Bildungsanstrengungen hin: „Die breite öffentliche Rhetorik über die Bedeutung von lebenslangem Lernen für die persönliche Entfaltung, die Teilhabe am Erwerbsleben und die Sicherstellung der Humanressourcen in einer alternden Gesellschaft ist ungebrochen. Dagegen nimmt nach den Daten des Berichtssystems Weiterbildung die individuelle Teilnahme an Weiterbildung seit 1997 ab.“ (124) Punkt.

Wie sieht es aber mit dem informellen Lernen aus? Auch hier ist der Bericht auf der Höhe der Zeit und versucht zu dokumentieren, was bei diesen Lernformen überhaupt zu dokumentieren ist. Das Ergebnis fällt nicht besser aus: „Die informellen Weiterbildungsformen sind in den letzten Jahren nicht expandiert; bei einzelnen ausgewählten Formen ist sogar eher eine Abnahme zu verzeichnen.“ (130) Hinzu kommt, dass die Teilnahme an informellen Lernaktivitäten korreliert: mit der Teilnahme an formellen Angeboten ebenso wie mit dem höheren Bildungs- und Berufsstand der Teilnehmer.

Zusammenfassend: Auch wenn sich dieser Bildungsbericht aller Wertungen enthalten will, am offensichtlichen Problem der (beruflichen) Weiterbildung kommt er nicht vorbei: Die Reduzierung der finanziellen Förderung durch die öffentlichen Haushalte und Unternehmen ist Fakt, der Rückgang der Beteiligung an (formaler) Weiterbildung ebenso. Aber vielleicht kann der nächste Bericht, 2008 soll er erscheinen, bereits von den neuen kollaborativen Lernformen und der erfolgreichen Selbstorganisation der Bildungshungrigen erzählen.
Konsortium Bildungsberichterstattung im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, bildungsbericht.de, 2 Juni 2006