Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Niedergang des sozialen Kapitals

Gleich vorneweg: Dieser Eintrag soll mich daran erinnern, ein Buch zu lesen, das der amerikanische Politikwissenschaftler Robert D. Putnam im Jahr 2000 veröffentlicht hat: „Bowling Alone. The Collapse and Revival of American Community“. Robert Putnam (und einigen anderen Autoren) verdanken wir die Einführung des Begriffs „soziales Kapital“ in die sozialwissenschaftliche Diskussion. Er hat auch beschrieben, wie das soziale Kapital (in den USA) schwindet, warum und mit welchen Folgen.

Mit Putnams Veröffentlichung schien plötzlich klar, was passiert, wenn Menschen immer mehr Zeit vor dem Fernseher oder im Internet verbringen anstatt sich aktiv in ihrer Community oder der Nachbarschaft zu engagieren. So wie Neil Postman in den 1980er Jahren mit Blick auf den steigenden Fernsehkonsum die Kindheit verabschiedete, so sah Putnam die traditionellen sozialen Netzwerke verschwinden. Heute weiß man, dass das Internet hier keineswegs so einfach in die Verantwortung genommen werden kann. Im Gegenteil, „Web 2.0“ und Social Software ermöglichen neue Beziehungen, die unseren offline-Alltag wunderbar ergänzen können. Aber, wie gesagt, ich will mich nur darin erinnern, dieses Buch mal in ruhiger Stunde zu lesen …
Warnfried Dettling, Die ZEIT, 43/ 2000