Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Ontology is Overrated: Categories, Links, and Tags

„Folksonomies“ und „Tags“ werden im Mittelpunkt der nächsten LEARNTEC stehen. Oder der übernächsten. Spätestens! Das könnte die Quintessenz dieses Artikels sein, der sich ganz den Entwicklungen widmet, die hinter den Stichworten „Web 2.0“ und „Social Software“ stehen. Es geht um Ontologien, unser vertrautes Periodensystem, Bibliothekskataloge, die uns ein Studium lang begleitet haben, und warum diese Wege, Objekte zu klassifizieren, an ihre Grenzen stoßen, wenn es um das Internet geht. Ein letztes Aufbäumen präsentiert Yahoo:

„You can see what the sub-categories of Entertainment are, whether or not there are new additions, and how many links roll up under those sub-categories. Except, in the case of Books and Literature, that sub-category doesn’t tell you how many links roll up under it. Books and Literature doesn’t end with a number of links, but with an „@“ sign. That „@“ sign is telling you that the category of Books and Literature isn’t ‚really‘ in the category Entertainment. Yahoo is saying „We’ve put this link here for your convenience, but that’s only to take you to where Books and Literature ‚really‘ are.“ To which one can only respond — „What’s real?“

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Yahoo is saying „We understand better than you how the world is organized, because we are trained professionals. So if you mistakenly think that Books and Literature are entertainment, we’ll put a little flag up so we can set you right, but to see those links, you have to ‚go‘ to where they ‚are‘.“

Aber der Autor zählt auch auf, wo Ontologien und klassische Kategorisierungen funktionieren, bevor er sich dem Gegenstück, der „user-developed classification“ zuwendet. Und damit sind wir mittendrin in „Social Software“, in del.icio.us, flickr, technorati und weblogs. Jeder kann hier „taggen“, also Links seine persönlichen Etiketten aufkleben. Das allein wäre noch nicht spannend. Aber die Tatsache, das andere genauso verfahren und das öffentlich tun, schafft ein neues Universum von Gemeinsamkeiten und Beziehungen (sorry, ich werde prosaisch …). Ich habe plötzlich Zugriff auf weitere Links (URLs, Posts, Informationen, etc.) mit gleichen Etiketten; auf Etiketten, mit denen diese Links auch versehen wurden; auf Menschen, die diese Etiketten verwendet haben; weitere Etiketten und Links dieser Menschen usw. Etwas davon kennen wir von Amazon, viele andere Möglichkeiten kommen hinzu. Oder in den Worten des Autors:

„It’s all dependent on human context. This is what we’re starting to see with del.icio.us, with Flickr, with systems that are allowing for and aggregating tags. The signal benefit of these systems is that they don’t recreate the structured, hierarchical categorization so often forced onto us by our physical systems. Instead, we’re dealing with a significant break — by letting users tag URLs and then aggregating those tags, we’re going to be able to build alternate organizational systems, systems that, like the Web itself, do a better job of letting individuals create value for one another, often without realizing it.“

Ein lesenswerter Artikel, der sich auch den Raum nimmt, Dinge zu erklären! Ich bin darauf wieder einmal über wwwtools for education gestoßen, die eine ihrer letzten Ausgaben ganz diesem Thema gewidmet haben („Tags, Folksonomies and Social Bookmarking“) – mit unzähligen Literaturhinweisen!
Clay Shirky, Clay Shirky’s Writings About the Internet, Spring 2005
[Kategorien: Social Software, Weblogs, Zukunft des Internet, Web 2.0]