Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Thinking for a Living

Thomas H. Davenport hat ein Buch über den Knowledge Worker geschrieben: „Thinking for a Living. How to Get Better Performances And Results from Knowledge Workers“. Es ist eine überraschend systematische Auseinandersetzung mit dem Thema, was aber bei jemandem, der jahrelang als Berater in Fragen der Geschäftsprozessoptimierung unterwegs war, vielleicht nicht überraschen sollte. Ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen, auch wenn es nur ein Anfang sein kann, was die Auseinandersetzung mit dem Wissensarbeiter betrifft.

Was die Lektüre sehr angenehm macht: Der Autor versucht nicht das Unmögliche, nämlich exakt zu erklären oder abzugrenzen, wer Knowledge Worker ist (und wer nicht), sondern kommt schnell zur Sache. Und die „Sache“ ist die Frage, wie Organisationen die Performance ihrer wichtigsten Mitarbeiter verbessern können. Dabei diskutiert Davenport verschiedene Ebenen der Intervention:
– die Prozessebene von Wissensarbeit,
– die unternehmensweite technologische Infrastruktur,
– die individuellen (technologischen) Kompetenzen der Knowledge Worker,
– die Netzwerke, in denen sie sich bewegen,
– ihre physische Arbeitsumgebung sowie
– das unmittelbare Management von Knowledge Workern.

Wie gesagt, Davenport blickt aus der Perspektive der Organisation auf den Wissensarbeiter und seine Performance. Mir ist beim Lesen noch einmal klar geworden, dass die ganze Sache aus der individuellen Perspektive des Knowledge Workers heute noch einmal anders aussieht. Denn organisationale und individuelle Perspektive sind nicht mehr deckungsgleich. Das war vielleicht anders, als Unternehmen und ihre Wissensarbeiter in einem prinzipiell unbefristeten Vertragsverhältnis standen, als von Employability, Patchwork-Biographien und Ich-AG’s noch keine Rede war. Heute ist die Performance des Knowledge Workers nicht allein Sache der Organisation (oder Organisationen), für die er gerade arbeitet. Denn diese Partnerschaft ist „endlich“, was von allen Seiten immer mehr als Regel beschworen wird. Also stellen sich aus meiner Sicht für den Knowledge Worker zwei Fragen:

1) Wie kann er selbst seine Performance (und Kompetenzen!) auf den zentralen Feldern der Selbstorganisation, des Lebenslanges Lernens und des Networkings verbessern? Denn seine Interessen und Ziele gehen ja zwangsläufig über die der Organisationen, mit denen er zusammenarbeitet, hinaus.

2) Wie kann er die Schnittstelle zwischen seinen Interessen und denen der Organisation managen? Eine Frage, die sich selbstverständlich für die Organisationen genau so stellt!
Denn im Prinzip, und das wurde ja von Peter F. Drucker schon beschrieben, ist der Knowledge Worker häufig Angestellter und Selbstständiger in einer Person.

Für mich ist gerade diese individuelle Perspektive der Punkt, wo Weblogs (und viele andere Instrumente) greifen, wo sie den individuellen Knowledge Worker bei seinen Aufgaben und Anstrengungen unterstützen können.

Soweit zu Thomas H Davenport. Meine persönliche Lesart sollte jedoch niemanden vom Original abhalten. Es lohnt sich! Und alle Anmerkungen, die mich bis zur LEARNTEC erreichen, nehme ich gerne noch in meinen Vortrag auf!
Thomas H. Davenport, Thinking for a Living, September 2005
PS: Eine Kostprobe aus dem Buch findet sich hier. Und hier geht’s zur Homepage des Autors.

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