Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Besser als ihr Ruf

Es gibt sie regelmäßig, diese Standortbestimmungen in Sachen „Weiterbildung“, die wachrütteln wollen. Vor einiger Zeit in der Süddeutschen, jetzt in der ZEIT. Titel und Untertitel stehen etwas quer zum Text, denn auch hier steht der „beispiellose Kahlschlag“ im Mittelpunkt, den die öffentlich geförderte Weiterbildung erlitten und der dazu geführt hat, dass jetzt die in großer Zahl arbeitslos sind, die ursprünglich die Arbeitslosigkeit anderer verhindern oder beenden sollten.

Etwas schwerer tut sich der Artikel bei den anderen beiden Feldern der Weiterbildung, die er identifiziert: Über die betriebliche Weiterbildung heißt es, dass sie „von den politischen und ökonomischen Stürmen relativ unberührt geblieben“ ist. Das entspricht nicht ganz meiner Wahrnehmung. Denn: Welche Weiterbildungsabteilung hat die letzten Jahre unbeschadet überstanden? Wo sind heute die Corporate Universities, mit denen vor wenigen Jahren selbst mittlere Unternehmen antraten, um ihre Wertschätzung des eigenen Humankapitals öffentlich kundzutun? Über die konketen Bildungsinvestitionen der Unternehmen erfährt man ja sonst nichts. So ist auch die einzige Referenz des Autors die Sprecherin des Seminaranbieters Euroforum, die sich – fast antizyklisch und, soweit ich weiß, gegen den Trend der Branche – über das eigene Wachstum freut.

Bleiben die Privatzahler. Über die heißt es lapidar: „hierzulande nur schwach entwickelt.“ Das wird sich ändern (müssen).
Georg Etscheit, Die ZEIT, 24 November 2005
[Kategorien: Weiterbildung allgemein]