Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

„Google Print wird nur Gewinner und keine Verlierer haben“

Am 3. November eröffnete Google seine Web-Bibliothek Google Print. Viele der Fragen, die das Projekt aufwirft, beruhen auf Missverständnissen oder fehlenden Informationen. Amerikanische Verleger haben Google vor Gericht gebracht; Bibliotheken sehen ihre Existenz gefährdet; andere beklagen das Projekt als weiteren Akt des „amerikanischen Kulturimperialismus“ und fordern die Sicherung des kulturellen Erbes Europas. Nur Microsoft und Yahoo lamentieren nicht, sondern forcieren längst ähnliche Initiativen („Open Content Alliance“). Ganz zu schweigen von Amazon. Also Chaos pur! Von daher ist es hilfreich, wenn Urs Hölzle, Vizepräsident und oberster Verantwortlicher von Google Print, Rede und Antwort steht. Zum Stichwort „Machtkonzentration“ fällt ihm ein: „Als Suchmaschine sind wir zudem nur ein Medienvermittler, aber kein Medienerzeuger.“ Ob er selbst glaubt, was er sagt?

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Wer die Story etwas ausgewogener haben will, sei auf die jüngste Ausgabe des Economist verwiesen. Hier („Pulp friction“) kommen, wie immer, alle Seiten und Initiativen zu ihrem Recht. Und hier findet sich auch ein bemerkenswertes Statement: „We need to get offline content online. Offline is where trusted content is, and where people who need to answer questions go,” explains Danielle Tiedt, manager of search content acquisition at MSN. “Books are only the first step,” she says.“
Interview mit Urs Hölzle, NZZ Online, 11 November 2005
[Kategorien: Zukunft des Internet]

Nachtrag (19. November): Knowledge@Wharton hat sich intensiv mit Google Print auseinandergesetzt und gefragt, wie diese (und andere Initiativen) unter Copyright-Gesichtspunkten zu bewerten sind („Will the Online Book Publishing Flap Rewrite Copyright Law?“). Und sie sprechen eine Frage an, die mich auch brennend interessiert: wie man nämlich Bücher in großer Zahl digitalisiert!! Leider bleibt die Antwort unbefriedigend: „While it’s unclear what technology Google has developed to digitize books at such a fast clip, Ockerbloom says rapid high volume scanning that doesn’t damage the books in a collection is a big selling point for the libraries“. Es ist schon erstaunlich, dass diese simple Frage nach dem „Wie“ in den wenigsten Berichten auch nur angesprochen wird! Google selbst informiert übrigens so: „Wir haben eine innovative Technologie entwickelt, mit der wir den Inhalt eines Buches scannen können, ohne es zu beschädigen.“ Alles klar! Danke!