Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

The Infinite Library

Ich habe viel Zeit meines Studiums in Bibliotheken verbracht. Ich liebe Bücher. Ich bin Mitglied der Büchergilde Gutenberg. Einige Hundert, wahrscheinlich mehr als Tausend Bücher stehen in unserer Wohnung, werden bei jedem Umzug verteidigt und nehmen notwendigen Platz für wichtigere (?) Dinge weg, höre ich. Heute verbringe ich viel Zeit im Internet, Bücher kommen via Amazon, und es ist einige Zeit her, dass ich eine Bibliothek betreten habe.

UTMCover.jpg
Muss man heute noch eine Bibliothek betreten? Der Autor, selbst Bibliothekar, setzt sich mit der Frage auseinander, was das Internet, was Google und im Besonderen seine Initiativen, Google Scholar und Google Print, für Bibliotheken bedeuten. Die Antwort fällt ausgewogen aus: Zum einen, so Autor, sind diese Initiativen ein notwendiger „wake-up call“ gewesen, um über die eigene Rolle und zukünftige Dienste nachzudenken. Zum anderen herrscht ein Wettbewerb, der an den zwischen David und Goliath erinnert. Bibliotheken suchen ihren Platz, indem sie – fast trotzig – auf einem Mehrwert ihrer Dienste bestehen:

„The library [University of Toronto Libraries; JR] is attempting to teach researchers that its resources are more specialized, in-depth and targeted to particular fields. Carole Moore, UTL’s chief librarian, says the problem is not that students use Google’s main search engine but that they use it primarily because they are unaware of alternatives. „Many students have a limited idea of how to search and of what they’re finding,“ she says. UTL is conducting seminars on the use of library materials and Moore notes that once researchers are aware of what the library has to offer, they tend to lose their dependency on the search engine. „If researchers know how to use the databases, then that actually does bring them in for materials because it’s not all online,“ she says.“

Ich könnte mir auch vorstellen, dass Bibliotheken verstärkt das Internet nutzen, um sich und ihr KnowHow zu positionieren. Warum nicht ein Blog anbieten, das User bei der lokalen wie globalen/ virtuellen Informationsrecherche unterstützt? Oder über Trends wie Social Software, Tagging usw. informiert und diskutiert, online wie offline? Oder gibt es das schon irgendwo? Ich bin halt schon lang in keiner Bibliothek mehr gewesen …
Devin Crawley, University of Toronto Magazine, Autumn 2005
[Kategorien: Knowledge Management, Zukunft des Internet]


Wer übrigens an einer intensiveren Auseinandersetzung mit Google Print interessiert ist, findet hier eine interessante Analyse (Brian Lavoie, Lynn Silipigni Connaway, Lorcan Dempsey: Anatomy of Aggregate Collections. The Example of Google Print for Libraries. D-Lib Magazine, September 2005).
Die Autoren werfen einen genauen Blick auf die Bestände der mit Google kooperierenden Bibliotheken und liefern eine Reihe interessanter Fakten. Themen sind u.a. die Größe der Bestände, die abgedeckten Sprachen und das Copyright.