Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Wikipedia-Gründer: Zehn Dinge, die frei sein müssen

Die Wikipedia-Community hatte am Wochenende in Frankfurt getagt („Wikimania 2005“). Auch wenn ich einen Besuch leider nicht geschafft habe, konnten sich die Teilnehmer kaum über mangelnde Aufmerksamkeit beklagen. In jeder Zeitung ein Artikel. FAZ.net führte gar die „Schwarmgesellschaft“ (!) an, um anschließend Wikipedia als „Gesellschaft sich rastlos organisierender Individuen“ zu beschreiben („Wir sind Sprengstoff!“). SPIEGEL Online wies auf das Qualitäts-Problem von Wikipedia hin und dass vor allem „junge Männer im Alter von 20 bis 30 Jahren“ das Bild der Wikimania prägten („Gutmenschen unter sich“). Und das Manager Magazin kannte zwar bereits die Keynote von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, konnte sonst aber nur von Konferenzplanungen berichten („Alles Wissen dieser Welt gratis“).

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Fündig geworden bin ich – wenig überraschend – bei heise online. Hier werden die zehn Dinge, die laut Jimmy Wales, befreit werden müssen, beim Namen genannt. Es beginnt mit der Befreiung der Enzyklopädie, des Wörterbuchs, der Ausbildung von Kindergarten bis zur Universität, und endet mit der Befreiung der Communities. Genau so interessant ist aber die Qualitäts-Diskussion zwischen den „Brockhaus“-Vertretern und Wikipedia („Brockhaus-Sprecher kritisiert mangelnde Verlässlichkeit bei Wikipedia“). Hier hat Wikipedia ein Problem, das in den über 500 Kommentaren (!) zum Artikel heiß debattiert wird. Da aber Leser Kommentare bewerten können, sind die fundiertesten Beiträge schnell zu finden!

Eine wirklich spannende Frage! Ist der Weg, also die Community, das Ziel? Will man auf den Aktualitätsvorsprung des Online-Mediums setzen? Oder will man sich auch in der Qualitätsfrage mit den Großen, sprich: Brockhaus, messen? Dann wird man nicht umhin können, Mechanismen einzuführen, die das „freie Spiel der Kräfte“ lenken. Pläne dafür werden ja bereits seit einiger Zeit diskutiert.
jk, heise online, 5 August 2005
[Kategorien: Zukunft des Internet]

2 Responses to “Wikipedia-Gründer: Zehn Dinge, die frei sein müssen”

  1. Jochen Robes

    Wenn man in den Kommentaren etwas gräbt und Beiträge wie diesen (http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=8570447&forum_id=82768) liest, bekommt man schon eine Ahnung davon, wie schwierig es ist, „gute“ Beiträge für komplexere Themen, z.B. aus den Naturwissenschaften, zu bekommen. Oder eine gute Qualität „einzufrieren“! Ist das ein Problem? Ja, sicherlich – obwohl hier ein Prozess transparent ist, während ich beim Brockhaus nur ein Ergebnis lese.
    Ich bin schon neugierig auf die Diplomarbeit über Entstehungsgeschichte des Eintrags über Erich Honecker (http://www-user.uni-bremen.de/~chrof/wikipedia.html) – muss nur noch die Zeit für die Lektüre finden.
    JR

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