Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Who Knows Whom, And Who Knows What?

Zwei erholsame Wochen in St. Georgen (Schwarzwald) sind vorüber. Back to business. In meinem Postkorb hat sich in dieser Zeit einiges angesammelt, was ich schrittweise aufarbeiten werde. Beginnen will ich mit einigen Artikeln, die sich dem Thema „Social Network Analysis“ (SNA) widmen. Das Thema steht seit einigen Monaten höher im Kurs, wenn auch die Beispiele noch überwiegend aus den USA stammen. Die Gründe: Unzufriedenheit mit traditionellen Knowledge Management-Ansätzen, Sorge um das abfließende KnowHow der Baby Boomer und die Aufmerksamkeit, die Social Software-Tools wie Blogs, Wikis und Social Networking-Angebote (z.B. LinkedIn und openBC) derzeit genießen.

Der CIO-Artikel, dem ich die Überschrift entnommen habe, gibt einen guten Überblick über das Feld mit entsprechenden Praxisbeispielen und einer kurzen Geschichte der SNA. Die Motive für eine SNA sind: herauszufinden, wie Informationen in einer Organisation wirklich fließen und wo kritisches KnowHow sitzt. Die angewendeten Methoden: z.B. die Auswertung des E-Mail-Verkehrs (na ja, das wird hierzulande nicht so einfach sein), Online-Fragebögen sowie Tiefeninterviews. Der Artikel spricht auch die Probleme einer SNA an: Den ROI zu bestimmen, kann eine Herausforderung sein. Und eine SNA ist eine langwierige Sache, die nur in Verbindung mit entsprechenden Follow-Up-Maßnahmen Sinn macht.

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Auch IBM’s Researcher unterstreichen die wachsende Bedeutung der SNA als „a set of survey methods and statistics that reveals the hidden connections between people“ („It’s Who You Know“; daraus die nebenstehende Grafik). Diese Verbindungen („ties“) können direkt oder indirekt, stark oder schwach, einseitig oder reziprok sein und ein aussagekräftiges Soziogramm der jeweiligen Organisation liefern. Die Harvard Business Review („Competent Jerks, Lovable Fools, and the Formation of Social Networks“) geht an einer Stelle einen Schritt weiter und fragt, nach welchen Kriterien Menschen bei anderen Rat suchen. Herauskam, so die Autoren, dass Sympathie häufig eine größere Rolle als Kompetenz spielt – auch wenn die Befragten das Gegenteil beteuern! Daraus werden anschließend konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet (leider gibt es online nur eine Zusammenfassung des Economist).

Ein spannendes Thema, das interessante Resultate liefern kann, wenn ich z.B. daran denke, wie in openBC die Verbindung zwischen verschiedenen Personen dargestellt wird. Das Beispiel zeigt aber auch, dass es eine kritische Masse an Teilnehmern braucht, um zu Resultaten zu kommen.
Susannah Patton, CIO Magazine, 15 Juni 2005
[Kategorien: Knowledge Management, Social Networks]