Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Arbeitskreis für Technologieunterstütztes Lernen in Banken und Bausparkassen (TLB)

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Von Sonntag bis Dienstag war ich auf dem halbjährlichen TLB-Meeting in Zürich. TLB steht für „Technologieunterstütztes Lernen in Banken und Bausparkassen“, und der Arbeitskreis traf sich bereits zum 19. Mal(!), dieses Mal in den Räumlichkeiten der Credit Suisse (hier gibt’s noch eine schöne Panorama-Sicht des Bocken-Guts in Horgen, in dem sich das Communication Center der Credit Suisse befindet). Schade, dass die ersten anderthalb Tage vom Dauerregen geprägt waren!

Zwei Beobachtungen nehme ich aus Zürich mit nach Hause: (a) Man entwickelt selbst. Autorenwerkzeuge sind in den meisten Banken angekommen, und für viele e-Learning-Teams ist es die (letzte?) Chance, die eigenen Kompetenzen unmittelbar unter Beweis zu stellen und das Thema e-Learning noch einmal richtig anzustoßen. Dazu gehört auch, dass man intern die Werbetrommel rührt („30 Minuten e-Learning in drei Sprachen in drei Wochen einsatzbereit“) und auch vor pragmatischen, an PowerPoint orientierten Lösungen nicht zurückschreckt. Übrigens hatten einige Banken verschiedene Werkzeuge im Einsatz mit den Schwerpunkten Fachwissen, Applikationstraining/ Simulation und e-Testing.

(b) Die zweite Beobachtung betrifft das Thema „informelles Lernen“, auf wir uns am ersten Tag mit viel Begeisterung und Engagement gestürzt haben. Hier mussten wir schnell feststellen, wie schwer es ist, sich auf ein gemeinsames Verständnis von informellem Lernen zu einigen, und wie gefragt Praxisbeispiele sind, die eine Verbindung von informellen und formellen Lernprozessen aufzeigen können.

Da am Montag auch Rainer Matiaske (QUEM/ LiNe) präsentierte, habe ich zu Hause noch einmal einen Blick in das Kompendium „Lernkultur Kompetenzentwicklung – Begriffliche Grundlagen“ (pdf, 989 KB) geworfen. Dort steht:
„Der Terminus formelles Lernen bezeichnet Lernprozesse, die institutionalisiert, curricular organisiert und wesentlich fremdgesteuert vollzogen werden.
Der Terminus informelles Lernen bezeichnet Lernprozesse, die durch das Subjekt als Lernen antizipiert, selbstorganisiert und reflektiert werden, eine Eigenzeit und gerichtete Aufmerksamkeit erfordert, an Problemsituationen gebunden, aber nicht in eine Institution eingebunden sind.“

Da aus diesem Umfeld gegenwärtig die meisten Beiträge zum Thema kommen, war es für mich doch noch einmal überraschend zu lesen, wie eng der Begriff des informellen Lernens hier gefasst wird und wie deutlich das informelle Lernen vom „beiläufigen Lernen“ als dem unbewussten und nicht reflektierten Lernen abgegrenzt wird! In vielen Begriffsbestimmungen wird aber (Gott sei Dank!) das informelle Lernen weiter gefasst und schließt auch das unbewusste Lernen ein (z.B. Günther Dohmen: Das informelle Lernen 2001 (pdf, 1,05 MB); Wolfgang Wittwer/ Steffen Kirchhof: Informelles Lernen und Weiterbildung 2003).

Doch zurück zur Praxis: Welche Möglichkeiten besitzt nun die Weiterbildung, um informelle Lernprozesse zu unterstützen? Welchen Beitrag kann e-Learning dabei leisten? Wie können formelle und informelle Lernprozesse integriert werden?

In der Diskussion dieser Fragen mangelte es uns, wie gesagt, vor allem an konkreten Beispielen! Ein Teilnehmer erzählte von Lernprogrammen, die in ihren Arbeitsaufgaben über das Programm selbst hinausweisen und die sich in ihren Testaufgaben nicht nur auf das zuvor präsentierte Fachwissen beziehen. Ein zweites Beispiel war eine Lernumgebung, in der einzig das Lernziel gegeben (Bestehen eines Tests), der Lernweg aber offen war: Der Lerner kann sich aus verschiedenen Quellen informieren; ob er es tut, spielt keine Rolle, solange er den Test besteht. Aber dann wurde die Luft bereits dünn.
[Kategorien: Informelles Lernen, e-learning]