Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

E-Learning meets Wissensmanagement. Wie Qualifikations- und Kompetenzentwicklung in Betrieben zugleich erfolgt

Lesenswert! Dieser Aufsatz versucht, Qualifikationen und Kompetenzen sowie e-Learning und Wissensmanagement in einen Zusammenhang zu stellen. Dafür werden zuerst Qualifikationen von Kompetenzen unterschieden: es werden „Qualifikationen als von außen an die Organisationsmitglieder herangetragene Erwartungen definiert, wie etwa formale Bildungsabschlüsse, wohingegen Kompetenzen als Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse aus der Perspektive des Subjekts betrachtet werden.“

Qualifikationen und Kompetenzen können, so die Autoren, auch unmittelbar mit der Entwicklung von Organisationsmitgliedern verbunden werden. Während Novizen durch Qualifikationen erst einmal in die Lage versetzt werden, formal Gelerntes in regelgebundene Handlungen umzusetzen (know that), besitzen Experten die Kompetenzen, selbständig, reflexiv und evaluativ zu handeln (know how).

Die Tatsache, dass sich e-Learning und Wissensmanagement bis heute parallel und in weitestgehender Missachtung der jeweils anderen Seite entwickelt haben, wird mit ihrer unterschiedlichen Ausrichtung begründet: „Die betriebliche Weiterbildung setzt [mit e-Learning; JR] vornehmlich auf die Entwicklung der Qualifikation; im Wissensmanagement wird die Kompetenzentwicklung betont.“

Eine interessante Verbindung, die aus meiner Sicht funktioniert, wenn man bestimmte, kollaborative und selbst organisierte Formen des Online-Lernens nicht als e-Learning-, sondern als Wissensmanagement-Prozesse begreift. Weniger problematisch ist es dagegen, wenn man der betrieblichen Weiterbildung unterstellt, dass ihr Hauptaugenmerk nach wie vor den „klassischen Qualifikationen“ im Rahmen formaler Lernprozesse gilt.

Wissensmanagement, das die Autoren nicht weiter differenzieren, geht über diesen Punkt hinaus: „Während Qualifikation mit Hilfe von E-Learning durchaus unter Zwang ‚verordnet’ werden kann, indem keine Alternative zur Weiterqualifizierung in Form von Präsenzveranstaltungen gegeben wird, ist die Anwendung und Nutzung von Wissensmanagement zur Kompetenzentwicklung eher freiwilliger Natur und hängt stark von der individuellen Motivation ab.“
Maximiliane Bönnighausen und Uwe Wilkesmann, DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, 2005/2
[Kategorien: e-learning, Knowledge Management, Kompetenzen]