Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Rapid E-Learning – Wissensbeschleuniger oder hohles Marketing-Versprechen?

Vorneweg: In diesem Beitrag gehen inhaltliche und werbliche Aspekte nahtlos ineinander über. Was nicht überraschend ist, wenn Mitarbeiter der imc und von Macromedia Rede und Antwort zum Thema „Rapid e-Learning“ stehen. Wenn man dementsprechend einige Passagen etwas schneller, andere dafür etwas genauer liest, fällt auf: Beide Anbieter scheuen nicht, „Rapid e-Learning“ mit langfristigen gesellschaftlichen Trends in Verbindung zu bringen:

„Die Idee des lebenslangen Lernens ist damit [Rapid e-Learning; JR] einfacher zu verwirklichen.“ (Macromedia)
„Richtig ist, dass Rapid Learning die Produktion von Inhalten ‚demokratisiert‘ wie Textverarbeitungssysteme und DTP-Programme dies in der Vergangenheit getan haben.“ (imc)
Ich glaube, dass Authoring-Tools, die derzeit explizit Unternehmen angeboten werden, hier nicht die besten Beispiele sind. Wenn man auf einen „Prozess der Demokratisierung“ setzt, dann sind eher Tools wie Google oder Open Source-Angebote wie Blogs und Wikis deren Träger.

Ein anderer Punkt ist die Contenterstellung selbst, die sich mit „Rapid e-Learning“, so die Idee, wieder verstärkt in die Unternehmen und zu den „Subject Matter Experts“ verlagert. Macromedia-Mitarbeiter Stefan Prestele sagt da ganz direkt: „Externe Unterstützung [bei der Contenterstellung; JR] wird dadurch eher überflüssig.“ Da wäre ich etwas vorsichtiger, denn kein Authoring-Tool nimmt „Subject Matter Experts“ die didaktische Konzeption, das Schreiben (!) sowie z.B. die Arbeit mit Grafikprogrammen ab. Hier können diese Tools bestenfalls durch entsprechende Vorlagen „führen“. Ansonsten braucht es – interne oder externe – professionelle Unterstützung, und hier ist es sicher spannend zu beobachten, welche Formen der Arbeitsteilung bzw. Spezialisierung sich zukünftig entwickeln werden.

Den Beratungsbedarf sieht der Macromedia-Experte übrigens da, wo die „Vielzahl von erzeugten Lerninhalten wiederum in ein strategisches Gesamtkonzept eingepasst werden muss“. Und da bin ich wieder ganz bei ihm.
Michael Bauer, Competence Site (Antworten auf ein Live Roundtable vom 10. Februar 2005), April 2005 (evtl. Anmeldung erforderlich)
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