Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Zukunftsweisende Lernarchitekturen

detecon_2005.gif
Dies ist bereits das dritte White Paper, das Detecon dem Thema „Bildungsmanagement“ widmet. Das erste hieß „E-Learning: Die zweite Welle“ (2002), das zweite „Strategien für ein integrationsorientiertes Bildungsmanagement“ (2004), und man konnte dort bereits lesen: „Beim E-Learning geht es nicht mehr nur noch um das elektronische Lernen, sondern auch um das effektive Management des Lernens.“ (32) Im aktuellen Papier ist von e-Learning nur noch am Rande die Rede. Es geht um Lernarchitekturen, „die sich durch eine Wertschöpfungsorientierung auszeichnen“; es geht um Lernmanagement-Systeme der „nächsten Generation“, die integraler Bestandteil von ERP-Systemen sind (da Detecon Beratungspartner bei der Integration der SAP Learning Solution ist, steht diese für die beschriebenen Entwicklungen Modell); und es geht um eine „Neuorientierung der gesamten Bildungs-Wertschöpfungskette“.

Das Problem, mit dem sich diese Studie auseinandersetzt, ist der Wandel des betrieblichen Bildungsmanagement selbst: Es gibt derzeit offensichtlich keine Erfolgsmodelle, sondern nur „Suchende“. Aufgaben und Rollen sind im Fluss. Was unternehmensintern bleiben muss, was ausgelagert werden kann, wird heftig diskutiert. Auf welchen Feldern mit externen Bildungsprovidern projektbezogen oder im Rahmen strategischer Partnerschaften kooperiert wird, steht auf dem Prüfstand. Diese Diskussion versuchen die Autoren in drei Szenarien zusammenzufassen und liefern zwar keine Lösungen, aber viele interessante Ansatzpunkte für zukünftige Geschäftsmodelle.

Etwas schwieriger steht es um eine andere Vorgabe: Die Autoren behaupten, dass heute nicht mehr Kosteneinsparungen, sondern die Wertschöpfung des Mitarbeiters im Vordergrund steht. Es ist sogar von der „neue(n) zentrale(n) Position der Mitarbeiter“ die Rede. Das mag durchaus so sein. Im Text selbst finden sich jedoch vor allem Hinweise für ein Fortbestehen der „Cost-Cutting-Diskussion“, und das Kapitel zur „Berechnung des Return on Invest (ROI)“ liefert eine hervorragende Vorlage für einen entsprechenden LMS-Business Case!

Ich glaube, es ist offensichtlich, dass nach mehreren Jahren der Auseinandersetzung um das Lern- und Bildungsmanagement und um LMS-Implementierungen das Bedürfnis groß ist (von der Notwendigkeit ganz zu schweigen!), den Blick auf neue Felder und Aufgaben zu richten. So verstehe ich auch Zeilen wie diese: „Eine besondere Rolle bekleidet das Wissensmanagement. Dessen häufige Trennung vom Bildungsmanagement ist längst nicht mehr zeitgemäß. Schließlich zielen beide Bereiche auf Mitarbeiterkompetenz ab. Da auch im Bildungsmanagement die Bedeutung informeller Lernmethoden steigt, liegt die Verzahnung von Bildungs- und Wissensmanagement auf der Hand.“

Allerdings gelingt es diesem White Paper noch nicht, die eigenen Vorgaben konsequent aufzunehmen. Noch liegt der Schwerpunkt auf dem Business Case LMS und neuen Wertschöpfungsketten. „Kosteneinsparungen von rund 30%“ durch den Einsatz zukunftsweisender Lernarchitekturen! Wie die „Verzahnung von Bildungs- und Wissensmanagement“, wie die Integration informeller Lernprozesse aussehen könnte, bleibt offen.
Detecon, Februar 2005
[Kategorien: Trends in der Weiterbildung, Learning Management Systems]