Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Elektronischer Selbstbetrug

Der Legitimations- und Kostendruck, der derzeit auf Bibliotheken lastet, ist gewaltig. Vor diesem Hintergrund warnt der Autor, selbst Bibliothekar, davor, alle Ressourcen einzig auf die Karte „Digitalisierung“ zu setzen. Er hat sicher Recht, wenn er daran erinnert, „dass die Kosten für die langfristige Vorhaltung der Daten über mehrere Generationen von Hard- und Software hinweg immens steigen“. Doch welchen Platz können Bibliotheken einnehmen, welchen Service wollen sie bieten, wenn Besucher ihre Recherche lieber zu Hause mit „Google“ als zwischen weit entfernten Buchregalen beginnen? Und spätestens an dieser Stelle wird aus der erhofften Antwort unvermutet eine Reise in die Vergangenheit:

„Man muss nur in jene verstaubten Bibliotheksecken gehen, in denen man noch niemals war, um den Effekt zu verstehen, dass in einer Bibliothek auch das Vergessene und für abwesend Gehaltene „da“ ist und darauf wartet, wiederentdeckt zu werden. Mehr noch: Weil die Bücher in ihrer physischen Form aus Papier und Leinen in den Regalen einen festen Ort haben, kann man jederzeit feststellen, was alles man nicht weiß und was alles von dem, was man nicht weiß, vielleicht einen näheren Blick lohnte.“

Wer eine etwas offensivere Auseinandersetzung um die Zukunft der Bibliotheken sucht, dem seien die Seiten des OCLC, des Online Computer Library Center, empfohlen.
Uwe Jochum, FAZ.NET, 15 März 2005
[Kategorien: Weiterbildung allgemein]