Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Driving Higher Ed Institutions to an Enterprise Approach

Die Autorin – COO von WebCT, einem LMS-Anbieter – beschreibt den Einsatz von e-Learning in großen Institutionen (Universitäten) als einen logischen Entwicklungsprozess, der fast zwangsläufig zu einem “enterprise approach” bzw. einer “institution-wide strategy” führt. Das wird klar strukturiert und überzeugend dargelegt. Es gibt aber auch Stimmen, die fragen, ob dieser Ansatz der Komplexität des Lernens gerecht wird. Und deswegen ist der folgende Kommentar von George Siemens, der sich unmittelbar auf den Artikel bezieht, mindestens so interessant wie der Artikel selbst:

“Learning is different. Learning is by nature multi-faceted and chaotic. Organizations that now lock into enterprise-level systems will be able to do an excellent job of delivering courses. They won’t, however, be positioning themselves well for informal learning, performance support, or knowledge management. The concept is simple: one tool can’t do it all without losing functionality. The more feature-rich an individual tool becomes, the more it loses its usefulness to the average user. Connected specialization, modularization, decentralization – those are learning foundations capable of adjusting to varied information climate changes.”

Das Argument ist nicht neu. Wir kennen diese Frage aus anderen Lebensbereichen: Wer beherrscht heute noch alle Funktionen eines Handys oder Autos? Aber mit Bezug auf ein Learning Management System habe ich dieses Argument noch nicht gehört: Denn das hieße ja, dass ein LMS – wenn ich es richtig verstanden habe – zwar alle diese Bereiche (“informal learning, performance support, or knowledge management”) abdecken kann, aber nur auf Kosten seiner “usefulness to the average user”. Ich glaube dagegen, dass diese Frage nicht primär eine technische, sondern eine strategische ist: Wie stellt sich Corporate Learning überhaupt zu Themen wie dem arbeitsintegrierten Lernen, informellen Lernprozessen, Performance Support oder Knowledge Management? Aber natürlich würde mich auch interessieren, wie die technische Integration dieser Lösungen aussehen könnte.
Barbara Ross, Learning Circuits, September 2004
[Kategorien: Learning Management Systems]