Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Wenn die Alten jünger werden

„Noch investiert die Wirtschaft wenig in die Bildung älterer Mitarbeiter. Während im Jahr 2002 immerhin 36 Prozent der 35- bis 49-Jährigen ihr berufliches Wissen auffrischten, war die Quote bei den über 50-Jährigen nur halb so hoch. Das ist erstaunlich wenig gemessen daran, dass seit Jahren von Politikern, Verbänden und Unternehmern ständig das Prinzip des lebenslangen Lernens beschworen wird. Der Berliner Altersforscher Paul Baltes glaubt, dass dieses Ziel für viele Menschen unattraktiver ist, als gemeinhin angenommen wird: »Lebenslanges Lernen – das klingt zuerst nach einer wunderbaren Idee. Tatsächlich löst das Prinzip sehr gemischte Gefühle aus. Die Botschaft lautet ja: Du bist niemals komplett. Es wird in deinem Leben keine Phase geben, in der du dich einfach bequem treiben lassen kannst.« Baltes hat das 21. Jahrhundert deshalb »Zeitalter des chronisch unfertigen Menschen« genannt.“

Wer nimmt eigentlich „gemeinhin“ an, dass das Ziel des „Lebenslangen Lernens“ – präsentiert als Diktat des Arbeitsmarktes – attraktiv oder „eine wunderbare Idee“ ist?
Elisabeth Niejahr, Die ZEIT, 16 September 2004
[Kategorien: Lebenslanges Lernen]