Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

A breakthrough in measuring the knowledge economy

Der Economist berichtet über eine neue Studie, die eine Antwort auf eine wichtige Frage versucht: Gibt es einen nachweisbaren (!) Zusammenhang zwischen Investitionen in das Humankapital einer Gesellschaft und ihrem wirtschaftlichen Wachstum? Bisher konnte nur belegt werden, dass individuell von einer besseren Ausbildung profitiert wird: Höhere Qualifikationen sind – im Durchschnitt – mit höherem Einkommen verbunden. Auch die Unterschiede zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern können so erklärt werden. Aber für die unterschiedlichen Entwicklungen der Industriestaaten gab es bislang nichts, was auf Bildungsinvestitionen als Ursache hingewiesen hätte. Warum also in Bildung investieren? So resümiert auch der Economist einleitend:

„To what extent is economic growth driven by the acquisition of ‚human capital‘? Many economists have pursued the answer over the past 20 years, but without great success. Despite building and rebuilding elaborate growth models, they have failed to prove that better education and training significantly raises a country’s long-term growth.“

Kanadische Wissenschaftler haben jetzt einen Weg gefunden, diesen Zusammenhang herzustellen, indem sie die Daten der International Adult Literacy Survey auswerteten. „Literacy“ wird hier verstanden als „the ability to use different kinds of written material to perform real-world tasks of varying complexity“. Mit einem mutigen Kunstgriff haben sie die Ergebnisse der 16-65-Jährigen auf ihre Fähigkeiten „zurückgerechnet“, die sie zum Zeitpunkt ihres Eintritts in das Berufsleben hatten und konnten so eine Zeitreihe entwickeln. Einige Unwägbarkeiten bleiben. Aber der Economist fasst zusammen:

„The team identified a clear and significant association between investments in human capital in each period and a country’s subsequent growth and labour productivity.“

Was zum Beispiel bedeuten könnte, dass es durchaus sinnvoll sein kann, in die Verbesserung von „basic skills“ zu investieren. Wer an weiteren Schlussfolgerungen interessiert ist, kann den Artikel beim Economist erwerben. Oder er nimmt sich die Studie selbst vor. Das kostet nichts.
Economist, 28 August 2004
Serge Coulombe, Jean-François Tremblay und Sylvie Marchand: Literacy scores, human capital and growth across fourteen OECD countries. Juni 2004 (pdf)
[Kategorien: Human Capital Management]