Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

E-Learning an deutschen Hochschulen – Trends 2004

In der Pressemitteilung zu dieser Studie heisst es: „Nur fünfzehn Prozent der Hochschulen setzen konsequent auf E-Learning.“ Und an anderer Stelle wird der Geschäftsführer des Auftraggebers, das Multimediakontor in Hamburg, zitiert: „Die Studie zeigt, dass viele Hochschulen trotz intensiver Förderung noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen sind.“ Diese Nachricht ist nicht überraschend und bestätigt die Eindrücke aktueller Untersuchungen (siehe z.B. Kubicek u.a. 2004; Europäische Kommission 2004). Sie stimmt nichtsdestotrotz nachdenklich, was die bereits investierten und jüngst wieder bewilligten Fördergelder betrifft. Da hilft dann auch das schönste „Kursbuch eLearning“ nichts, wenn die angeschobenen Projekte nicht in eine langfristige e-Learning-Strategie eingebettet sind – und an diesem Eindruck kommt man auch bei der Lektüre dieser Studie nicht vorbei.

Ansonsten gibt die Studie Auskunft über den Grad der Computerunterstützung bei den befragten Hochschulen (immerhin 95 von 331 in Deutschland gaben Rückmeldung), die „computeraffinen“ Studiengänge (Informatik und Mathematik), die Akzeptanz von e-Learning bei Lehrenden und Studierenden sowie die Erwartungen, die die Befragten in den zukünftigen Einsatz von e-Learning setzen.

Einige Aussagen dieser Studie haben leider hoch-spekulativen Charakter, z.B. dort, wo die Befragten gebeten werden, die Studienergebnisse computergestützter und traditioneller Lehrveranstaltungen hinsichtlich ihrer Qualität zu vergleichen. Hier wäre es sicher interessanter gewesen zu erfahren, ob derartige Vergleiche überhaupt schon durchgeführt wurden.

Und an anderer Stelle heisst es, dass zwei Drittel der Befragten „E-Learning eine wichtige bzw. herausragende Rolle bei den strategischen Überlegungen zur künftigen Entwicklung ihrer Hochschule“ zuschreiben. Nur – welche „strategischen Überlegungen“? Geht es um Kostensenkung, um die Erschließung neuer Bildungsmärkte, um eine bessere Vermarktung eigener Kompetenzen oder gar einen Paradigmenwechsel in Lehre und Forschung?? Hier ist aus meiner Sicht noch viel Spielraum für weitere Studien.
MMB Institut für Medien- und Kompetenzforschung, 23 August 2004
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