Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

A Quiet Revolt Puts Costly Journals on Web

Wer sich mit der Publikation von wissenschaftlichen Informationen beschäftigt, kommt an Elsevier nicht vorbei. Der Verlag mit Sitz in Amsterdam gibt ca. 1.800 Fachzeitschriften heraus, vor allem zu naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Themen. Die jährlichen Subskriptionskosten für eine Zeitschrift können schnell 20.000 Dollar betragen, wie z.B. für das Organ „Brain Research“. Nun sind allein diese stolzen Preise schon ein Thema. Hinzu kommt aber der Kreislauf wissenschaftlicher Informationen, der dahinter steht und zusätzlich viele Betroffene über Alternativen nachdenken lässt:

„Elsevier doesn’t write a single article,“ said Dr. Lawrence H. Pitts, a neurosurgeon at the University of California at San Francisco and chairman of the faculty senate of the 10-campus system. „Faculty write the articles for them, faculty review the articles for them and faculty mostly edit the journals for them, and then we get to buy the journals back from a company that makes a very large profit.“

Das Zitat stammt aus einem Artikel der New York Times, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Die dort vorgestellten Alternativen sind mit dem Stichwort „Open Access Publishing“ verbunden und üben derzeit enormen Druck auf die traditionellen Vertriebswege wissenschaftlicher Informationen aus. Zu Recht, wie ich finde! Auch wenn sich das oben genannte Beispiel vielleicht nicht unmittelbar auf Themen wie „Bildung“ oder „e-learning“ übertragen lässt: Ich frage mich auch regelmäßig, warum ich für Informationen, die mit öffentlichen Mitteln ganz oder teilweise gefördert wurden, bezahlen soll, indem ich entsprechende Fachzeitschriften oder Fachliteratur kaufe. Dass es auch anders geht, beweist zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung (ABWF), deren Informationspolitik man gar nicht genug loben kann, sowie einige Professoren und Fachbereiche, die ihre Publikationen teilweise offen zur Verfügung stellen. Hinzugekommen sind in jüngster Zeit einige Blogs, in denen ein offener Gedankenaustausch gesucht wird.

Aber das sind vereinzelte, spärliche Ansätze! Mir fehlt in Deutschland eine (Online-)Plattform zum Thema „Bildung“/ „Bildungstechnologie“/ „Neue Lernmedien“, die aktuelle Projekte und „Best Practices“ vorstellt und sich kritisch und unabhängig mit den Ergebnissen auseinandersetzt. Eine Art „Online-Journal“, peer review-gesteuert, wie es einige wenige internationale Beispiele vorleben, z.B. First Monday. Bei der MedienPädagogik ist es wohl beim Versuch geblieben, etwas in dieser Richtung auf die Beine zu stellen. Vielversprechender sind da schon die Aktivitäten von bwp@, aber es könnte sicher mehr sein.
Pamela Burdman, The New York Times, 26 Juni 2004 (das Original gibt’s nur noch gegen Bezahlung, aber eine Kopie des Artikels findet sich hier)
[Kategorien: Zukunft des Internet]


Nachtrag: Weitere Artikel zum Thema:
Dan Sabbagh: Reed Elsevier Chief Hits Back in Scientific Publishing Row. Times Online, 6 August 2004; Richard Wray: Reed says enforced access plan is daft. The Guardian, 6 August 2004; Philip Aldrick: Reed boss denies ‚profiteering‘. business.telegraph, 6 August 2004.

Ein differenzierte Sicht bietet der sehr informative Artikel von Joseph J. Esposito: The devil you don’t know: The unexpected future of Open Access. First Monday, 2 August 2004 (alle Hinweise via Stephen Downes)