Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Expertenkommission Finanzierung Lebenslanges Lernen legt Bericht vor

Fast drei Jahre haben die Experten gebraucht, um Vorschläge für neue Finanzierungsstrategien für das Lebenslange Lernen zu entwickeln und vorzustellen. Jetzt liegen 334 Seiten vor mir. Zu den Empfehlungen selbst kann ich wenig sagen. Es ist die Rede vom Erwachsenenbildungsförderungsgesetz, vom individuellen Bildungssparen, von steuerlichen Regelungen und vielem mehr. Sicherlich eine Fundgrube für Bildungsökonomen, aber nur schwer verdaulich für Außenstehende.

Interessanter sind für mich deshalb die Passagen, in denen die Autoren etwas über ihr Verständnis vom Lebenslangem Lernen erzählen. Vorneweg deshalb ihre Definition: „Lebenslanges Lernen umfasst die Gesamtheit allen formalen, non-formalen und informellen Lernens über den gesamten Lebenszyklus eines Menschen hinweg.“ Dann gibt es z.B. das Kapitel 2.2.2: „Lohnt sich Weiterlernen – für wen?“

Kontinuierliche Weiterbildung ist wichtig, und jeder, der einmal ein entsprechendes Angebot wahrgenommen hat, bestätigt, dass es sich positiv auf seine berufliche Situation ausgewirkt hat. Detaillierte Analysen zeigen einen differenziertes Bild: Die Teilnahme an Weiterbildung „lohnt“ sich statistisch vor allem für die Altersgruppe der 20- bis 44-Jährigen. Ihr Monatseinkommen steigt, und sie beugen durch Weiterbildung dem Risiko der Arbeitslosigkeit vor. Für die Gruppe der 45- bis 64-jährigen Arbeitnehmer sind solche Beziehungen nicht nachzuweisen. Warum sollen sie also lernen? An diesen Punkten treffen die optimistischen Bildungsbekenntnisse auf strukturelle Probleme unserer marktwirtschaftlich organisierten Arbeitsgesellschaft – und lassen mindestens einen zweifelnden Leser zurück.

Im Kapitel 2.3.4 geht es um „Neue Lernformen“. Die Autoren unterstreichen den Trend zu „ganzheitlichen Aus- und Weiterbildungskonzepten“ und zur „Revitalisierung des betrieblichen Lernortes Arbeitsplatz“: „Entscheidend ist indessen, dass in diesem Gefüge von Lernorten und Lernformen das informelle Lernen am Lernort Arbeitsplatz inzwischen einen herausragenden Platz einnimmt.“ (60) Wie geht die Personalentwicklung damit um? Bleibt ihr „nur“ das formale Lernen, während das informelle Lernen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern sowie im Kollegen- und Projektkreis stattfindet?
BMBF, 28 Juli 2004
[Kategorien: Lebenslanges Lernen, Informelles Lernen]