Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Organisatorische Einbettung von E-Learning an deutschen Hochschulen

Was haben Unternehmen und Hochschulen gemeinsam? Beide stehen vor der Herausforderung, e-Learning „nachhaltig“ – wie es so schön heisst – in ihre Prozesse und Strukturen zu integrieren. Was aber unterscheidet Hochschulen von Unternehmen? Nun, die Autoren beschreiben die typische Hochschule als „lose gekoppeltes System teilautonomer Einheiten“ oder, ganz plastisch, als „garbage can“. Merkmale von Organisationen dieser Art sind:
„- Unklare Ziele, die erst in Folge von Handlungen ermittelt werden, statt sie a priori zu setzen,
– unklare Verfahren, d.h. den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind die ablaufenden Prozesse und die Ursache-Wirkungs-Beziehun´g nicht deutlich,
– schwankende Beteiligung, sowohl zeitlich als auch inhaltlich.“

Diesen schwierigen Ausgangsbedingungen zum Trotz bemühen sich bereits eine Reihe von Hochschulen, e-Learning von der „Ansteckungs- in eine Steuerungsphase“ zu überführen – allerdings auf der Grundlage ganz unterschiedlicher organisatorischer Modelle. Diese reichen von der Schaffung neuer Einrichtungen, der Vernetzung bestehender Einrichtungen, der Erweiterung bestehender Einrichtungen bis zur Auslagerung der e-Learning-Koordination auf hochschulexterne Institutionen. Wie diese Modelle derzeit gelebt werden, wird anhand einzelner Fallbeispiele beschrieben.

Abschließend halten die Autoren fest, dass der Umfang des e-Learning-Einsatzes an deutschen Hochschulen gegenwärtig noch sehr gering ist und „eine vollständige Integration in die gesamte Hochschulorganisation und E-Learning als ein selbstverständlicher Teil der Lehre“ meist noch nicht erreicht worden ist. Gefragt ist ein langer Atem:
„Ausmaß und Dauer der erforderlichen ‚kulturellen Revolution‘, die aus einem lose gekoppelten Netzwerk autonomer Einheiten einen effizienten, erfolgreich im Wettbewerb stehenden ‚Bildungs- und Forschungskonzern‘ macht, lassen einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren als realistisch erscheinen.“

Herbert Kubicek, Andreas Breiter, Arne Fischer und Christian Wiedwald, Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib), Mai 2004 (pdf)
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