Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Pragmatismus als theoretische Grundlage für die Konzeption von eLearning

Das ist keine leichte Kost, soviel vorneweg! Die Autoren treibt eine Unzufriedenheit mit der aktuellen Theorie-Diskussion: Wo sie hinschauen, beherrscht der Konstruktivismus die Debatte und die Versuche, ihn als überlegenes und einziges Lehr- und Lernparadigma in der Pädagogik zu etablieren. Diesen Ansatz halten die Autoren für wenig erfolgversprechend. Sie werben für eine Sichtweise, die die Konzepte und Methoden, die Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus und andere hervorgebracht haben, als „Werkzeuge“, „als einen gedanklichen Steinbruch für die Gestaltung von Bildungsangeboten“ betrachtet. Diese Auffassung ist eines der Grundprinzipien des pädagogischen Pragmatismus. Zur Unterscheidung von Konstruktivismus und Pragmatismus halten sie fest:

„Im Konstruktivismus wurde Lernen als ein selbst gesteuerter, aktiv-konstruktiver, situativer und sozialer Prozess beschrieben. Eine Position, die sich auf den Pragmatismus beruft, würde Lernen entsprechend als eine Handlung definieren, die bildende Erfahrungen ermöglicht, die immer an die konkrete Situation und Lebenswelt des Lernenden gebunden ist, und damit an einen bestimmten zeitlichen und sozialen Kontext.“

Schwierig wird es allerdings, wenn man diese Prinzipien auf die Gestaltung und Nutzung von e-Learning-Angeboten zu übertragen versucht: Wie kann bei virtuellen Angeboten und großen, unbekannten Zielgruppen ein „Bezug zur Erfahrungswelt der Lernenden“ hergestellt werden? Und, daran anschließend, die Frage: Sind nicht die Grundprinzipien des Pragmatismus an einem klassischen Verständnis von Lernprozessen orientiert, das Lehrer und Schüler im Dialog, definierte Lerninhalte und ausgewiesene Lernorte beinhaltet? Wie passt e-Learning in dieses Bild?
Michael Kerres, Claudia de Witt, 2004 (pdf)
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