Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Erst pauken, dann Party

Da wird landauf landab über das selbstorganisierte Lernen nachgedacht, da wird der Paradigmenwechsel von der lehrer- zur lernerzentrierten Bildung gefeiert, und dann das: immer mehr Studenten wollen gar nicht selbständig lernen und sind gerne bereit, auf Freiräume zu verzichten:

„Es gibt 18Jährige, die können sehr selbstgesteuert lernen“, sagt der deutsche Bildungsforscher Kai S. Cortina, der an der Universität von Michigan (USA) lehrt. „Doch im Schnitt werden weniger Studenten mit dem liberalen Studium zurechtkommen.“ Die meisten wollen stattdessen, dass ihnen jemand sagt, wo es langgeht; erst recht, falls das Studium in Zukunft Geld kosten sollte. Sie erwarten persönliche Betreuung und genaue Kriterien, an die sie sich halten können – so, wie sie es aus der Schule gewohnt sind.

Vom „Sieg des bürgerlichen Effizienzmodells“ ist in diesem Artikel die Rede, und das heisst: jüngere Studenten, kürzeres Studium, weniger Abbrecher, einheitliche Abschlüsse, verbesserte Leistungskontrolle usw. „Freizeitorientierte Schonhaltung“ ist ein anderes nettes Schlagwort des Autors. Ob das wirklich die Entwicklungen sind, die ein Mehr an Bildung, Kreativität und Innovationen bringen?
Jan-Martin Wiarda, Die Zeit, 6 Mai 2004
[Kategorien: Weiterbildung allgemein]