Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Kompetenzmanagement. Eine Perspektive für die Personalentwicklung?

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Gestern hatte ich das Vergnügen, das Symposium „Kompetenzmanagement“ auf Schloß Birlinghoven besuchen zu dürfen (nochmals danke, Herr Kröpelin, für die Einladung!). Bureau42 und das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) hatten in den Großen Saal des Schlosses eingeladen (siehe das Bild oben, auf dem allerdings noch 100 Stühle und ein Podium fehlen. Weitere Informationen und Fotos über Schloss Birlinghoven gibt es hier). Vorneweg: Die 100 Stühle waren nicht nur da, sondern auch besetzt, das Programm war anregend, und der strahlende Sonnenschein tat ein Übriges.

Mein Eindruck zur Sache: Kompetenzen boomen! Allein in den ersten Monaten dieses Jahres haben eine Reihe von Workshops und Konferenzen zum Thema stattgefunden. Und wenn ich eine Erklärung versuchen sollte, würde sie wie folgt aussehen: Kompetenzen und Kompetenzmanagement rücken immer stärker in den Mittelpunkt, weil HR mehr denn je nach einer Klammer für einzelne, benachbarte Prozesse des Personalmanagements sucht. Kompetenzmanagement steht für die Integration dieser Prozesse in ein ganzheitliches Personalmanagement. Sind erst einmal Kompetenzmodelle definiert, Sollprofile für einzelne Tätigkeiten festgelegt und Istprofile der Mitarbeiter erfasst, stehen Instrumente für weitreichende und vielfältige Interventionen bereit: Recruiting, Job Rotation und Matching, Weiterbildung, Karriereplanung – es gibt, und darauf wiesen viele Referenten hin, nur wenige Prozesse, die nicht von einem funktionierenden Kompetenzmanagement profitieren können. Soweit das Versprechen.


Doch der Weg dahin ist nicht einfach. Alle Referenten betonten, dass es sich bei der unternehmensweiten Einführung eines Kompetenzmanagement-Systems um einen komplexen und herausfordernden Change Prozess handelt. Management, Mitarbeiter, HR, Betriebsräte und IT müssen zusammenspielen, und das in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld und bei höchst sensiblen Fragestellungen.Wenn das Ganze noch global und mehrsprachig eingeführt wird, dann wird die Komplexität unmittelbar greifbar. Von daher war für mich der Beitrag von DaimlerChrysler Services einer der Spannendsten, denn die Referenten beschrieben nicht nur Auftrag und Weg, sondern präsentierten auch die Anwendung selbst und standen Rede und Antwort. Aber auch die Beispiele von AXA, Ford, Commerzbank und der Fraunhofer machten die Herausforderungen, die mit dem Thema verbunden sind, sehr transparent.

Auch wenn die Diskussion um Kompetenzen und Kompetenzmodelle schon eine längere Geschichte hat, wie Ekkehart Frieling von der Universität Kassel betonte: viele der präsentierten Projekte befinden sich noch im Aufbau- oder Anfangsstadium. Von daher wird es interessant sein zu beobachten, wie die Fragen bewältigt werden, die auf dem Symposium immer wieder angesprochen wurden:
– die Akzeptanz bei Management und Mitarbeitern,
– die Offenheit der Modelle für zukünftige Veränderungen,
– die Spannung zwischen unternehmensweiten Standards und lokaler/individueller Profilierung, oder wie es im Vortrag von Helmut Kolmerer, Axa, so schön hieß: zwischen „Gesamtunternehmensinteresse und Partikularinteressen der Anwendergruppen“,
– der Integration des Kompetenzmanagements mit anderen HR-Systemen und Prozessen, allen voran der Weiterbildung.

Begrüßt habe ich, das sei abschließend noch erwähnt, dass die Frage, was genau Kompetenzen sind, in der Regel sehr pragmatisch beantwortet bzw. umgangen wurde – auch wenn John Erpenbeck (ABWF) sicher mehrmals schlucken musste. Mein abschließendes Fazit: Das Thema ist zukunftsfähig.

Wer das Thema vertiefen möchte, sei auf die Seiten der Arbeitsgemeinschaft für Betriebliche Weiterbildungsforschung (ABWF) verwiesen, die dort umfangreiches Material zur Verfügung stellt. Ein Interview mit Philipp Kröpelin, bureau42, gibt es auf der Competence Site.
bureau 42, Symposium Zukunft betrieblichen Wissens, 1 April 2004
[Kategorien: Kompetenzen]

Nachtrag, 19.4.: Hier findet man eine kurze Zusammenfassung des Veranstalters, Bureau42.

8 Responses to “Kompetenzmanagement. Eine Perspektive für die Personalentwicklung?”

  1. WMF_Blog

    Kompetenzmanagement – Ein Thema das boomt?

    Der Nutzen von „Mitarbeiterkompetenzen“ in Unternehmen ist ein Thema das zur Zeit viel Resonanz hervorruft. Kürzlich schreibt Jochen Robes in seinem Weiterbildungs-Blog: „Mein Eindruck zur Sache: Kompetenzen boomen! Allein in den ersten Monaten dieses …

  2. Thomas Glatt

    Hallo Jochen

    Besten Dank für Deine Informationen.
    Ja, das Kompetenzmanagement ist ein spannendes Thema, und vor allem wenn in Richtung Elektronisch gestütztes Skillmanagement in Verbindung mit SCORM-beglückten Learning Objects geht auch ein noch theoretisch überzeugendes, in der Praxis aber noch nicht weit gebrachtes Konzept. Oft werden ja im Erpenbeckschen Sinne Kompetenzen mit Qualifikationen verwechselt, und auf dem Niveau funktioniert dann ein IT-Skillmanagement auch recht gut.
    Spannend in dem Zusammenhang finde ich den Stellenwert des informellen Lernens, den uns Herr Erpenbeck ja auch mal an einer Arbeitskreistagung aufgezeigt hat.
    Vielleicht müssten wir mal den „Weiterbildungblog“ mit der „Spinnersuite“ kombinieren und ein paar Fachleute zu einer virtuellen zeitbegrenzten Diskussion einladen … gerade die Verzettelung der ungemein spannenden Informationen im Web scheint mir ein Problem, dass vieles leider verpufft. Ich komme mit der Idee mal auf Dich zu.

  3. Jochen Robes

    Hallo Thomas,

    ich bin für alle Ideen offen – und was die Verzettelung betrifft, nicht ganz so verzweifelt. Ich überlege mir halt immer, wie Informationssuche und -austausch vor zwanzig Jahren ausgesehen hätten: gar nicht bzw. beschränkt auf drei Fachzeitschriften und Kongresse.

    Das Thema „informelles Lernen“ wird für mich auch immer mehr zum Lieblingsthema – wenn wir da etwas auf die Beine stellen könnten, wäre toll. Ich denke, das Thema kann viele Fäden zusammenführen (e-learning, KM, communities) und für uns ein neues Schwergewicht, abseits von formalem Training & LMS, setzen.

    Herzliche Ostergrüße
    Jochen

  4. Weblog WM-Impulse

    Kompetenzmanagement – Ein Thema das boomt?

    Der Nutzen von „Mitarbeiterkompetenzen“ in Unternehmen ist ein Thema das zur Zeit viel Resonanz hervorruft. Kürzlich schreibt Jochen Robes in seinem Weiterbildungs-Blog: „Mein Eindruck zur Sache: Kompetenzen boomen! Allein in den ersten Monaten dieses …

  5. Wissensmanagement Impulse

    Kompetenzmanagement – Ein Thema das boomt?

    Der Nutzen von „Mitarbeiterkompetenzen“ in Unternehmen ist ein Thema das zur Zeit viel Resonanz hervorruft. Kürzlich schreibt Jochen Robes in seinem Weiterbildungs-Blog: „Mein Eindruck zur Sache: Kompetenzen boomen! Allein in den ersten Monaten dieses …

  6. Wissensmanagement Impulse

    Kompetenzmanagement – Ein Thema das boomt?

    Der Nutzen von „Mitarbeiterkompetenzen“ in Unternehmen ist ein Thema das zur Zeit viel Resonanz hervorruft. Kürzlich schreibt Jochen Robes in seinem Weiterbildungs-Blog: „Mein Eindruck zur Sache: Kompetenzen boomen! Allein in den ersten Monaten dieses …

  7. Wissensmanagement Impulse

    Kompetenzmanagement – Ein Thema das boomt?

    Der Nutzen von „Mitarbeiterkompetenzen“ in Unternehmen ist ein Thema das zur Zeit viel Resonanz hervorruft. Kürzlich schreibt Jochen Robes in seinem Weiterbildungs-Blog: „Mein Eindruck zur Sache: Kompetenzen boomen! Allein in den ersten Monaten dieses …

  8. texas hold'em

    texas hold’em

    How good one feels when one is full – how satisfied with ourselves and with the world! People who have tried it, tell me that a clear conscience makes you very happy and contented; but a full stomach

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