Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

E-Learning im Lichte von Lerntheorien – Auf welchen Hypothesen basiert Lernen mit Neuen Medien?

Der Artikel begeht eine Gratwanderung – und scheitert. Er bietet eine kurze Übersicht über Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus – was selten genug passiert und daher zu begrüßen ist. Aber in diesem Artikel wird Theorie als Baukasten begriffen, aus dem man sich nach Belieben die passenden Werkzeuge für seine Alltagsarbeit nimmt. Alle Theorien haben hier „Vorteile und Nachteile“, und die Kunst des Weiterbildners oder Pädagogen ist es, den richtigen Mix zu finden. Kurz zwei Beispiele zur Illustration meiner Bedenken:

Auf welchen Hypothesen basiert das Lernen mit Neuen Medien?“ Schon bei der Eingangsfrage stutze ich. Wohnen den Neuen Medien bzw. dem Lernen mit Neuen Medien Hypothesen inne, die nur auf sie zutreffen und sonst auf nichts? Wohl kaum. Wenn überhaupt kann es doch nur um eine zeitliche Übereinstimmung gehen: Unsere Erkenntnisse, was das Lernen betrifft, haben sich stetig weiterentwickelt, und heute blicken wir mit einem bestimmten Erkenntnisstand auf das Lernen mit Neuen Medien – genauso wie wir auch auf andere Medien und Lernformen blicken. Sonst könnte man ja in Anlehnung an die Einleitung auch fragen: „Auf welchen Hypothesen basiert das Lernen mit Büchern?“

Gerade weniger strukturierte Lerner kann die große Entscheidungsfreiheit schnell überfordern.“ Da wird also der Konstruktivismus erklärt, das Bild des sich selbst steuernden Lerners beschrieben, der sich seinen Bedürfnissen entsprechend einen eigenen Lernweg sucht – und dann: Halt! Noch sind nicht alle Lerner soweit! Der Konstruktivismus bzw. seine konsequente Umsetzung überfordert den Menschen! Ich ahne, was der Artikel meint, nämlich: dass bestimmte Methoden und Instrumente sich für bestimmte Zielgruppen nicht eignen, aber diesen Umstand als „Mängel und Fallstricke“ der Theorie zu bezeichnen, haut nicht hin. Jedenfalls nicht nach meiner Theorie.
Habe ich etwas übersehen?
add new knowledge, 20 Februar 2004
[Kategorien: Weiterbildung allgemein]