Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

9. Trainingskongress in Bonn

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Zwei Tage Trainingskongress in Bonn liegen gerade hinter mir. “Intelligente Qualifizierung in schwierigen Zeiten” war das diesjährige Motto. Ein erster Eindruck – und ich zitiere einen langjährigen Mitstreiter: Man ist älter geworden! Mit der Sache, e-Learning, sind auch wir in die Jahre gekommen. Weit und breit keine jung-dynamischen New Economy-Vertreter mehr, die mit dem “e” das schnelle Geld machen wollen, keine übernächtigten Programmierer, die noch bis kurz vor Veranstaltungsbeginn an Applikationen schrauben (ja, das gab es wirklich!!) – mehr erfahrene, in Ehren ergraute Projektmanager auf Anbieter- und Kundenseite, die um der guten Sache Willen (aber nicht nur deswegen!) auf den nächsten Aufschwung hoffen.

Kurz zur Stimmung: Sie soll besser als letztes Jahr gewesen sein, auch wenn es sich noch nicht in den Auftragsbüchern niedergeschlagen haben wird. Ansonsten lädt der Trainingskongress eher noch als die große und inzwischen unübersichtliche Learntec zum informellen Erfahrungsaustausch ein. Das ist sicher auch das Verdienst der Veranstalter, die vom Catering bis zur fachlichen Betreuung einen klasse Service geboten haben!


Die Qualität der Vorträge und Round-Tables war durchwachsen – und da schließe ich den Round-Table zum Thema “Controlling und Evaluation – Wie lässt sich der Erfolg von Weiterbildung messen?“, an dem ich selbst teilgenommen habe, unbedingt mit ein! Auf der einen Seite SAP, die mit viel Aufwand und wechselnden Partnern (T-Systems, Siemens) sich und ihre Learning Solutions präsentierte, auf der anderen Seite unzählige kleine Momentaufnahmen. So “feierte” man die Tatsache, dass jetzt auch für niedergelassene Ärzte e-Learning-Angebote zur Verfügung stehen und auch tatsächlich über 250 davon bereits Gebrauch machen. Aus dem Auditorium kam hier zu Recht die Nachfrage, wie denn dieses Modell zum Titel des Round-Tables, “Intelligente Online-Lösungen”, passen würde …
Größere Unternehmen erkennen sich wahrscheinlich eher in den Prozessen wieder, die SAP und T-Systems präsentierten. Eine Weiterbildung, die z.B. Kompetenzmodelle und Lernaktivitäten integriert.

Zwei Round-Tables widmeten sich dem Thema Bildungscontrolling, wobei m.E. diese Diskussionsform dem Thema nicht gutgetan hat. Zu oft wechselten die Perspektiven, und es war fast unmöglich, einen interessanten Gedankengang zu vertiefen. Am Donnerstag beklagte Gerhard Wächter (Unilog Integrata), dass trotz aller Beteuerungen, die Qualität der Mitarbeiter sei der strategische Erfolgsfaktor, das Humankapital in deutschen Unternehmen immer noch größtenteils nur “verwaltet” würde. Sabine Erkens (Victoria Versicherungen AG) erzählte, dass erst spät und zwar mit der Einführung von Blended Learning der erste Business Case in der Weiterbildung ihres Hauses vorgelegen hätte. Überhaupt spielte das Thema Cost-Controlling eine große Rolle – es ist halt greifbarer als die Messung eines Return on Investment in der Weiterbildung!

Auf dem Round-Table am Freitag, an dem ich selbst teilnahm, wurde noch einmal unterstrichen, dass über Erfolge in der Weiterbildung nur gestritten werden kann, wenn auch die Ziele klar definiert sind, die erreicht werden sollen. Idealerweise werden diese Ziele nicht von der Weiterbildung gesetzt, sondern aus den strategischen Zielen des Unternehmens abgeleitet (Wolfgang Schwan, Siemens Business Services). Thomas Mayer (COM/ON/FOUR) betonte, dass dem Trainer eine entscheidende Rolle bei der Evaluation von Trainingsmaßnahmen zufällt. Ich wies darauf hin, dass vor allem Großunternehmen erst mit Learning Management Systemen in die Lage versetzt werden, die Kennzahlen über Lernprozesse zu liefern, die das Controlling fordert. Wobei sich diese Kennzahlen nicht auf das beschränken sollten, was bis heute das Benchmarking in der Weiterbildung ausmacht (Zahl der Training-Events, der Trainingstage, Weiterbildungskosten je Mitarbeiter usw.). Ich glaube, dass die Diskussion über Balanced Scorecards (Learning Scorecards) da Anregungen liefern kann. Ich hoffe aber auch, dass mit der Integration weiterer Systeme wie z.B. Kompetenz- und Performance Measurement-Modellen hier spannendere Aussagen über das Wissenskapital einer Unternehmung möglich sind. Erste Ansätze in dieser Richtung zeigte auch der Vortrag von Garrit Skrock (SAP) und Dietmar Falter (T-Systems).

Interessant auch, dass sich die Audi AG (!?) als Mitveranstalter präsentierte, und die Bundeswehr offensichtlich das Thema e-Learning entdeckt hat. Jedenfalls waren die Vertreter des Streitkräfteamtes in ihren Uniformen unübersehbar (warum müssen die Herren eigentlich auch außerhalb ihres unmittelbaren Wirkungskreises Uniform tragen?)