Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

Familienkompetenzen als Potenzial einer innovativen Personalentwicklung

Als ich letzte Woche die Oktober-Ausgabe der „Personalführung“ durchblätterte, bin ich beim Begriff der „Kompetenzbilanz“ hängengeblieben. Er hat mich spontan an aktuelle Diskussionen in vielen Unternehmen erinnert, in denen jetzt verstärkt Kompetenzmodelle eingeführt und eingesetzt werden, um die Entwicklung der Mitarbeiter effektiver zu steuern und mit der Weiterbildung genauer an den tatsächlichen bzw. geforderten Profilen der Mitarbeiter anzusetzen.

Was ich nicht gewusst habe: Schon vor einigen Jahren wurde im Rahmen der Gleichstellungspolitik ein entsprechendes Konzept entwickelt und – allerdings in kleinem Rahmen – in der Praxis erprobt. Dabei ging es vor allem darum, die Familientätigkeit als „wichtigen außerbetrieblichen Lernort für betrieblich relevante Kompetenzen“ zu erfassen. Denn Familientätigkeit kann bedeuten, dass ich nicht nur etwas verliere (nämlich Zeit im Beruf), sondern neue Kompetenzen gewinne. Um diese individuelle Entwicklung zu dokumentieren, wird vorgeschlagen, eine persönliche Kompetenzbilanz zu erstellen – eine Selbsteinschätzung bzgl. verschiedener (38) sozial-kommunikativer, methodischer und personaler Kompetenzen.

Ein sehr interessanter Ansatz! Ich werde – wenn ich etwas mehr Zeit habe – noch mal schauen, wie er sich mit aktuellen Überlegungen zum Bildungspass verträgt. Aber auch dieses Modell steht und fällt m.E. mit der Verbindlichkeit, mit der es eingesetzt wird.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 6 März 2003