Jochen Robes über Bildung, Lernen und Trends

A Revolution in Knowledge Sharing

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Ein visionärer Artikel! Die Autoren beschreiben „Knowledge Sharing“ als neues Paradigma der Knowledge Economy. Auch wenn sich heute noch die Mehrheit der Wissensarbeiter und Wissensinstitutionen an ihr geistiges Eigentum, ihre Kurse und Inhalte klammern – an „Knowledge Sharing“ führt kein Weg vorbei; im Gegenteil, für Individuen und Institutionen, die frühzeitig die Zeichen erkennen, bietet es die Chance zur Profilierung und Differenzierung.

Die Zwangsläufigkeit dieser Entwicklung liegt, so die Autoren, in der Natur von Wissen, in der Tatsache, das Wissen ein soziales Konstrukt ist: „However, knowledge – even the abstractions of mathematics – can be understood only in context, which means through interactivity and communication with others. Interactivity and knowledge sharing not only are integral to ‚knowing‘ but are essential for continually evolving knowledge to new plateaus of meaning.“

Die Autoren beschreiben, wo heute schon die Ansätze für eine neue „knowledge-sharing ecology“ entstehen, die auf Collaboration, Communities of Practices und Knowledge Networks aufbaut. Um zu schließen: „In summary, leading edge individuals and institutions are on the threshold of major advances in their capacity to acquire, assimilate, utilize, reflect on, and share knowledge„.

Mein Eindruck: 1) Die Autoren führen überzeugend einzelne Fäden wie IT, e-Learning und Knowledge Management zu dem Gesamtbild „e-Knowledge“ zusammen. Diesem Bild kann ich vorbehaltlos folgen.
2) Wenn „Knowledge Sharing“ aber in der Natur der Sache liegt, was treibt Unternehmen, akademische Institutionen und Individuen bis heute dazu, Wissen als „geistiges Eigentum“ zu betrachten? (Eine mehr rhetorische Frage …) Auch Projekte wie das von MIT werden von vielen in erster Linie als genialer Marketing-Schachzug gesehen. Ist es also (wieder) die Technologie, die eine neue Qualität in die Knowledge Society bringt, indem sie freisetzt, was in der Natur der Sache (Wissen) liegt? Die ökonomischen Rahmenbedingungen, das Eigeninteresse derer, die Know-How (Copyrights, Lizenzen, Patente usw.) besitzen, sprechen eine klare Sprache. Diese Fragen kommen in dem Artikel etwas zu kurz weg.

(via Stephen Downes)
Donald N. Norris, Jon Mason, Robby Robson, Paul Lefrere und Geoff Collier, EDUCAUSE Review, September 2003